Kleiderstelle der Caritas in der Hartengrube schließt

Caritas KleiderstelleMenschen mit geringem Einkommen sind verunsichert – die Gründe sind bislang unklar.

„Wir waren immer schick gekleidet“, sagt Ranghild Jorich. Viele Jahre hat sie für ihre Familie und sich Bekleidung in der Kleiderstelle der Caritas in der Hartengrube 2-4 gefunden, die tadellos und modisch ist. „Es gab immer gute Sachen. Das ist wichtig, um nicht von anderen abgestempelt zu werden“, erklärt die Lübeckerin, der „die Kleiderstube sehr geholfen hat.“

Sie ist verunsichert, aber auch empört. Aus Kostengründen soll das Angebot der katholischen Einrichtung nicht weitergeführt werden. Die Kleiderstelle schließt ihre Türen zum 30. November endgültig.

Ob für Damen, Herren, Kinder und Jugendliche: Seit über 30 Jahren fanden Menschen mit geringem Einkommen gut gepflegte und gereinigte Kleidung in einem übersichtlich sortierten Angebot. Auch Petra Sky gehört dort zum festen Kundenstamm in der zentral gelegenen Anlaufstelle. „Ich schaue regelmäßig herein und habe immer modische Sachen für wenig Geld gefunden“, sagt sie. Vom Unmut und der Verzagtheit vieler Kunden motiviert, hat sie eine Unterschriftenliste in der Kleiderstelle ausgelegt. Sie soll zeigen, wie viele Menschen betroffen und traurig sind. „Viele haben nicht das Busgeld, um in die Kleiderstelle in St. Lorenz Süd zu fahren. Es ist doch nicht erfunden, dass Langzeitarbeitslose und immer mehr Rentner wenig zum Leben haben“, sagt sie. Dass die Kleiderstelle aus Kostengründen geschlossen wird, erfüllt auch sie mit Empörung.

Auch für alleinerziehende Mütter war die Hartengrube eine feste Anlaufstelle: Von Babywäsche über Spielzeug bis hin zu gebrauchten Kinderkarren oder Kinderwagen fanden sie dort das Notwendige für kleines Geld. „Das soll nun alles vorbei sein?“, fragt Petra Sky in einem Gespräch mit den ehrenamtlichen Kräften, die dort viele Jahre gegen eine kleine Aufwandsentschädigung tätig waren. „Wir haben in den Jahren viele Kinder aufwachsen sehen. Es sind nette Kontakte entstanden“, erzählt Andrea Cohrs. Auch Menschen ohne Obdach konnte sie schon helfen. „Es ist doch wichtig, die Betroffenen mit dem Notwendigsten ausstatten zu können.“ Ihre Kollegin Genoveva Dejus ist sichtlich betroffen: „Nun sagen wir den Leuten, dass wir schließen. Das ist eine schwere Aufgabe!“

2015 waren es fast 2000 Menschen, die in der Kleiderstelle des Lübecker Caritas Verbandes Bekleidung für wenig Geld erstehen konnten. Auch in diesem Jahr war die Nachfrage groß.

Zu den Gründen der Schließung hat der Caritasverband sich bis Redaktionsschluss nicht geäußert. Text & Foto: mpa

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