Endlich ein Jugendtreff in Buntekuh

Eine Gruppe junger Leute hat erreicht, dass in Buntekuh endlich ein Jugendtreff eingerichtet wird. (SDF)

Mit Ausdauer und Eigeninitiative haben Jugendliche ihr Ziel erreicht.

Die „Oase“ ist rappelvoll. Im kleinen Raum der Baltic-Schule tummeln sich an diesem Mittwochnachmittag an die 20 Jugendliche. Manche essen, einige spielen ein Videogame, andere toben einfach herum. „Der Platz für uns ist hier wirklich sehr, sehr klein“, klagt Nauzad Hassan. Mädchen sind im Jugendtreff so gut wie nie dabei. „Mit all den Jungs hier ist für uns Mädchen gar kein Platz, und einen anderen Treffpunkt haben wir auch nicht“, bedauert Juanna Khalo. Deswegen nehmen sie und ihre Freundin die Angebote der mobilen Jugendarbeit wahr. „Ein richtiger, fester Ort wäre aber sehr schön.“

Seit Jahren fordern die Jugendlichen in Buntekuh einen richtigen Treffpunkt. Mehrmals wurden sie von Stadtverwaltung und Politik vertröstet. Städtische Räume, Personal und Geld würden fehlen. Auch das Programm Soziale Stadt, das Buntekuh auf Vordermann gebracht hat, ging an den Wünschen der Kids vorbei, sagen Human Said, Ahmed Mounu und Tahir Kasikci. „Wir wollten einen Fußballplatz, und was haben wir bekommen: eine Skaterbahn.“ „Kein Mensch skatet in Buntekuh, auf der Skaterbahn ist niemand. Es ist schade um das viele Geld.“ „Und auf dem Boule-Platz spielt auch niemand!“

Dann hörten sie von der Jugendarbeiterin Sabine Kosminski, was in der Gemeindeordnung eigentlich steht. „Dass es einen Jugendausschuss gibt und dass es so etwas wie Kinder- und Jugendbeteiligung gibt, das wussten wird nicht“, sagt Nauzad. Mit dem Wissen um ihre Rechte klopften sie bei den Fachpolitikern an. Katja Mentz (damals noch Grüne, heute GAL) lud sie in den Ausschuss und da trugen die Teenager ihr Anliegen vor. „Vor solchen Typen zu reden, das hat mich stolz gemacht“, erinnert sich Tahir.

Sie waren nicht mit leeren Händen in den Ausschuss gegangen, sie hatten einen konkreten Vorschlag. „Wir leben hier, wir kennen Buntekuh und wir wissen, wo ein guter Platz für einen Jugendtreff ist.“

Dieser Platz ist ein seit Jahren verlassener Einkaufsmarkt mit rund 190 Quadratmeter Fläche im Pinassenweg. „Der Laden ist genau das richtige für uns. Er ist groß und es ist nichts drin. Wir können ihn so gestalten, wie wir wollen“, freuen sich die Jungs. „Und wir Mädchen werden einen Bereich für uns haben“, sagt Juanna. Der Mietvertrag wurde noch nicht unterschrieben, in den kommenden Wochen soll es aber endlich losgehen.

Das Engagement der Jugendlichen in Buntekuh hat beeindruckt. „Es ist ein wichtiger Grundstein in der Jugendarbeit, dass die Jugendliche lernen, sich für ihre Interessen einzusetzen“, betont Kosminski. Die zuständige Senatorin Kathrin Weiher (parteilos) lobte sie neulich auch für ihren konkreten Vorschlag: „Ich halte die Lösung, Räume anzumieten für viel flexibler als selbst ein Jugendzentrum zu bauen. Wir können so viel schneller reagieren, falls sich der Bedarf ändert.“ Der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Tim Klüssendorf (SPD), merkt aber auch an: „Am Beispiel der Jugendlichen aus Buntekuh wird auch erkennbar, an welchen Stellen der Beteiligung es momentan noch hakt.“

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt den Jugendlichen. „Es wäre schöner gewesen, wenn wir unser Ziel früher erreicht hätten. Vom Jugendtreff werden wir nicht viel haben. Wir waren noch jung, als wir angefangen haben, dafür zu kämpfen. Und jetzt haben wir schon einen Bart.“ SDF

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