LGS macht 3,5 Millionen Euro Miese

Die Landesgartenschau in Eutin hatte nicht den erwarteten Besucherzuspruch. (Graap)

Vorläufige Bilanz der Landesgartenschau: Zufriedene Besucher, aber ein Haufen Schulden.

Nach der Party folgt der Kater: So viel Begeisterung die Eutiner Gartenschau bei den Besuchern auch ausgelöst hat, die Großveranstaltung hinterlässt ein dickes Minus in der Stadtkasse. Im Hauptausschuss haben die LGS-Geschäftsführer Bernd Rubelt und Martin Klehs eine vorläufige wirtschaftliche Auswertung präsentiert. Unterm Strich steht ein Defizit in Höhe von 3,44 Millionen Euro, das sich noch auf knapp vier Millionen erhöhen könnte.

Hauptgrund für das Minus: Die angepeilte Besucherzahl wurde deutlich verfehlt. Statt der von Fachleuten prognostizierten 650000 Besuche erzielte die LGS tatsächlich nur 502000 Geländezugänge, rund 170000 davon sind Dauerkarteninhabern zuzurechnen. Insbesondere sei es nicht gelungen, Urlauber nach Eutin zu locken. „Das große Manko war, dass nur 18 Prozent der erwarteten Touristenanzahl aus den Urlaubsorten an der Ostsee die Landesgartenschau wirklich besucht haben“, erläuterte Klehs. Außerdem seien mehr Dauerkarten als erwartet verkauft worden (statt 6983 stolze 11431), worunter der Absatz von Tageskarten gelitten habe. Insgesamt wurden 369485 Tickets ausgegeben – etwa 30 Prozent weniger als erhofft.

Für eine Analyse der abweichenden Besucherzahlen wurde das Tourismus- und Freizeitinstitut „inspektour“ aus Hamburg beauftragt. Nach diesem 7000 Euro teuren Gutachten ergeben sich keine Mängel an dem Produkt „Landesgartenschau“ – im Gegenteil: Mehr als 95 Prozent der stichprobenartig befragten Besucher gaben an, zufrieden mit der LGS zu sein. 67 Prozent wollen die Stadt Eutin 2017 erneut besuchen. Für das Defizit mitverantwortlich sind außerdem höhere Kosten für Pflegeaufwand und Sicherheitskräfte sowie geringere Erlöse bei der Ausschreibung für die Gastronomie.

Bernd Rubelt betonte den engen Zusammenhang zwischen Gartenschau und Stadtentwicklung, die vom Land „beispielslos gefördert“ werde. Darauf wies in der Diskussion dann auch Monika Obieray von den Grünen hin: Insgesamt wurden mithilfe von Stadt, Land, Bund und EU etwa 20 Millionen Euro in die Areale zwischen Seepark und Süduferpark investiert – die städtischen Eigenmittel liegen bei 7,5 Millionen Euro. „Mit dem Minus von 3,5 Millionen Euro liegen wir immer noch bei einer guten Förderquote von knapp 50 Prozent“, so Obieray. Auch FDP-Stadtvertreterin Margret Möller betonte: „Die Gartenschau war vor diesem Hintergrund trotz aller Verluste ein Gewinn. Wir haben so viele bleibende Sachen erhalten, die wir anders nie bekommen hätten.“ Sie lobte das LGS-Team, das an seinem Limit gearbeitet und mit wenig Personal das Beste herausgeholt habe. Gabriele Appel (SPD) sah zumindest die Nachhaltigkeit auf der Plus-Seite. Dass die Urlauber nicht gekommen seien, habe etwas mit dem Aufrüsten der Ostseebäder zu tun: „Dort fand fast jeden Tag eine Konkurrenzveranstaltung statt, da kommt man dann nicht mehr nach Eutin.“ Matthias Rachfahl (CDU) sprach von einem Versagen der Marketingstrategen, und Parteikollege Heiko Godow kritisierte, dass bei der Werbung die Regionen Plön, Preetz und Schleswig viel zu kurz gekommen seien.

Die schrillen Töne schlug FWE-Chef Malte Tech an. „Ich sehe das endgültige Defizit näher bei fünf als bei vier Millionen. Herr Rubelt hat vor der Gartenschau stets von plus/minus null gesprochen. Er hat seinen Job schlecht gemacht und gehört entlassen“, polterte Tech. Bürgermeister Carsten Behnk dagegen übte insbesondere an den Instituten Kritik, die Eutin beraten haben. Denn schon nach seiner Amtsübernahme im August habe er in Gesprächen mit Experten aus der Region Erkenntnisse gewonnen, die man im Vorfeld von den Profis hätte erwarten können: „Urlauber besuchen in der Regel erlernte Formate, planen ihre Reise exakt. Sie bleiben ihren Verhaltensmustern treu. Da ist es für ein einmaliges Event schwer, sich bekannt zu machen. Und auch der Werberadius war zu eng angelegt. Man hätte von Anfang an in Hamburg werben müssen, weil Eutin für viele Hansestädter ein Kurzurlaubsziel ist.“ Nun gelte es, nach vorne zu schauen und die positiven Effekte und die Aufbruchstimmung in der Stadt zu nutzen, so Behnk. Allerdings kommen die 3,5 Millionen Euro jetzt zu den über 50 Millionen Schulden der Stadt „on top“, was die Stadtvertreter in den kommenden Jahren vor die Frage stellt: Was können wir uns noch leisten? vg

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