Wohltäter wollte über den Tod hinaus Gutes tun

Laden zum Vortrag über Nachhaltigkeit ein: die Stiftungsvorstände Hans-Peter Klausberger (links) und Günther Schröder. (Graap)

Die neue „Karl Gustav Jürgensen Stiftung“ fördert vielfältige Zwecke in Eutin und Bosau.

Karl Jürgensen war ein schlicht gekleideter, sehr sparsamer Mensch. Der Bosauer war zwar wohlhabend, doch er lebte nicht auf großem Fuß. Und weil er ohne Erben blieb, gründete Jürgensen – noch bevor er 2013 im Alter von 95 Jahren starb – eine Stiftung, die sich der Förderung gemeinnütziger und mildtätiger Zwecke verschrieben hat. „Uns stehen jährlich bis zu 50000 Euro zur Verfügung, um in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – mit Ausnahme von kulturellen Belangen – unterstützend tätig zu werden. Der Wirkungskreis beschränkt sich jedoch auf die Stadt Eutin und die Gemeinde Bosau“, erläutern die Stiftungsvorstände Günther Schröder und Hans- Peter Klausberger.

Jürgensen, der am Kultlokal „Silbersack“ in St. Pauli aufwuchs, ist schon von Kindesbeinen an geschäftstüchtig gewesen: Mit einem Bauchladen hat er Sammelbilder verkauft. „Seine Jugend wurde dann vom Krieg zerstört, als Soldat wurde er dreimal verletzt. Er wollte später nie mehr etwas mit Krieg zu tun haben“, erzählt Schröder. In der Nachkriegszeit habe Jürgensen dann sein Vermögen mit dem Kauf und Verkauf von Grundstücken gemacht. Das Kapital der Stiftung beträgt gut acht Millionen Euro, 70 Prozent davon besteht aus Grundvermögen. „Es handelt sich um 52 Wohnungen in Hamburg, die auch unterhalten werden müssen. Deshalb schwanken die Erlöse, die für den guten Zweck eingesetzt werden können, von Jahr zu Jahr“, so Schröder.

Seit Januar ist die Stiftung nun aktiv und hat mit dem ersten Geld unter anderem die Flüchtlingshilfe der VHS, Projekte von Sportvereinen, Schwimmunterricht für Kinder, die Feuerwehr Liensfeld oder auch den Schüleraustausch der Kreisberufsschule mit China unterstützt. Auch in der Altenhilfe will die Stiftung tätig werden. Geplant ist die Beschäftigung eines Minijobbers in einem Pflegeheim, der den Bewohnern individuelle Wünsche erfüllt – von kleinen Besorgungen bis zu Ausflügen in die Umgebung. Die Förderung erfolgt in der Regel über Vereine und Institutionen. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird gefördert – auch um Eutins Status als Fairtrade-Stadt zu festigen. Die Stiftung hat sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, einmal im Jahr zum Thema „Alternativen zum jetzigen wirtschaftlichen Handeln“ oder anderen gesellschaftlich relevanten Themen einen Vortragenden einzuladen. Die erste Veranstaltung findet am 9. November statt. »Wer der neuen Stiftung Ideen oder Anträge schriftlich zukommen lassen möchte, schaut unter www.juergensen-stiftung.de ins Internet.

Vortragsabend
Die erste Veranstaltung der „Karl Gustav Jürgensen Stiftung“ beschäftigt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Am Mittwoch, 9. November, um 19 Uhr referiert der Sachbuchautor Christian Felber in der Kreisbibliothek Eutin am Schlossplatz 2 über die „Gemeinwohl-Ökonomie“.
vg
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