Stadtgrün informiert: Viele Stadtbäume vom Pilz befallen

Karsten Jäckel (Bereich Stadtgrün) untersucht mit dem Hammer den Baumstamm auf Hohlräume. (SDF)

Grünflächenamt wird in diesem Winter 236 tote oder kranke Bäume entfernen.

Das Fällen von Bäumen ist in Lübeck zurzeit ein brisantes Thema. So brisant, dass überraschend viel Publikum da ist, wenn der Bereich Stadtgrün die geplanten Baumfällmaßnahmen für den Winter 2016/2017 bekannt gibt. Zwei Mitglieder der Bürgerschaft, der Vorsitzende des Umweltausschusses, ein Dutzend Umweltschützer und Medienvertreter hören den Ausführungen von Karsten Jäckel aufmerksam zu.

Der Leiter des Sachgebiets Baum und Sport und seine Mitarbeiter werden in den kommenden Monaten 236 tote oder kranke Bäume aus Lübecks Grünanlagen, Schulhöfen, Sport- und Spielplätzen sowie Straßen entfernen. „Mit weniger als 0,3 Prozent ist der Anteil der zu fällenden Bäume in dieser Saison erfreulich gering“, sagt Jäkel. Insgesamt wacht er über die Gesundheit von 88000 Linden, Pappeln, Erlen, Birken und vielen andern Bauarten. Zusammen mit Vorarbeiter Jens Wandel führt Jäckel sein Publikum zu einer imposanten Rotbuche, die am Kanal unweit des Verwaltungszentrums Mühlentor steht. Über 25 Meter ist sie hoch, fast genau so breit ihre Krone, die noch reichlich Blätter trägt. Jäckel legt seine Hand auf den mächtigen Stamm und blickt kurz nach oben. „Diese Rotbuche sieht auf den ersten Blick gesund aus, aber sie ist stark von einem aggressiven Pilz befallen“, erklärt er. Dabei zeigt er auf schwarze sowie dunkel und hellbraune Pilzkörper, die wie Klumpen aussehen und überall um den Baum sprießen. Der Riesenporling hat die Wurzeln der 163 Jahre alten Buche in seinem Würgegriff. „Bei so einem Befall kann man davon ausgehen, dass sie den Winter nicht überstehen wird“, verkündet der Fachmann. In der kurzen Stille nach diesem Befund meldet sich Umweltschützerin Brigitte Dowideit (Nabu Lübeck): „In Hamburg lassen sie kranke Bäume stehen und bringen ein Schild dran, das vor Gefahr bei Sturmwetter warnt.“ „Dann müssten wir aus Gründen der Verkehrssicherheit den Radweg am Kanal versperren“, erwidert Jäckel, „wir sind verpflichtet, den Baum zu fällen.“

Reinhard Degener von der BUND-Kreisgruppe Lübeck ist unzufrieden. „Die Verkehrssicherheitspflicht ist ein Totschlagargument, da kann man nichts mehr dagegen sagen“, kommentiert er und regt an, dass man zumindest ein gutes Stück vom Stamm als Lebensraum für Pilze, Pflanzen und Insekten stehen gelassen wird. „Man muss nicht den Baumstamm in fünf Zentimeter Höhe abschneiden.“ Das käme darauf an, wo der Baum stehe, erwidert Jäckel. In parkähnlichen Anlagen tue man das aus ästhetischen Gründen nicht, aber in naturnahen Bereichen schon. „Diese Buche werden wir in zwei bis drei Metern Höhe abschneiden und den Stamm als Totholz stehenlassen“, verspricht er. Und damit sind alle, mehr oder weniger, zufrieden. Auch die Umweltaktivistin vom BUND, Christa Fischer. „Ich finde es sehr positiv, dass Bürger und Naturschutzorganisationen von der Verwaltung auf diese Weise über die Baumfällungen informiert werden und ihre eigene Standpunkte und ihr Fachwissen einbringen können.“

» Die Listen der geplanten Baumfällungen sind abrufbar unter: http://stadtentwicklung.luebeck.de/stadtgruen_verkehr/index.html

SDF
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