Thomas Manns Kindheit in Lübeck

In seinem neuen Buch beleuchtet Prof. Heinrich Detering den Einfluss seiner Geburtsstadt auf das Schaffen des Nobelpreisträgers. Es wird am 26. Oktober im Buddenbrookhaus vorgestellt.

Golden glänzt der doppelköpfige Adler auf dem Holstentor. Zu seinem Schimmern und zum Ruhm der Hansestadt hat Thomas Mann (1875-1955) außerordentlich beigetragen.

Häufig bekannte der Literaturnobelpreisträger und Weltbürger seine Liebe und Anerkennung für die Stadt an der Trave. Aber nicht alles glänzte im Lübeck der Buddenbrooks. „Es hockt in ihren gotischen Winkeln und schleicht durch ihre Giebelgassen etwas Spukhaftes, allzu Altes“, schrieb Thomas Mann. Den Fährten dieses Spuks ist Prof. Heinrich Detering gefolgt. In seinem neuen Buch „Das Meer meiner Kindheit. Thomas Manns Lübecker Dämonen“ untersucht der Literaturwissenschaftler, wie das Werk des später berühmten Schriftstellers durch seine Heimatstadt tief und anhaltend geprägt wurde. Seine Funde stellt Detering am Mittwoch, 26. Oktober, um 19 Uhr im Buddenbrookhaus vor.

„Die Dämonen sind zuerst buchstäblich gemeint“, erklärt der Professor der Uni Göttingen. „Ich will zeigen, wie schon in den ‚Buddenbrooks‘ Lübeck von Geistern und Gespenster bewohnt ist, auch wenn man sie nicht sofort erkennt.“

In Manns späteren Schriften, bis hin zum „Doktor Faustus“, nehmen die lübeckischen Dämonen andererseits eine sehr konkrete, weit bedrohlichere Gestalt an, erläutert der Forscher. „Zu den dunklen Geistern gehört die völkische und faschistische Verführbarkeit, aber auch das Unterdrückerische, das Repressive der bürgerlichen Ordnung.“ Diese Ungeheuer suchten den jungen Thomas Mann auch heim, als er seine Homosexualität erkannte. „Man findet die Schatten dieser Auseinandersetzung überall in seinen Schriften: Es durfte nicht sein und es war doch so.“

Thomas Mann kamen in Lübeck jedoch auch Schutzgeister zur Hilfe, und zwar die Geister der Literatur. Berühmte Autoren wie Ibsen, Storm und Liliencron zeigten ihm einen Ausweg aus seinen Bedrängnissen. „Der einzige Ort, wo er ausbrechen und vor den Dämonen seiner Vaterstadt flüchten konnte, war die Literatur.“ So wurde aus dem Hanseatenkind und gescheitertem Gymnasiasten der weltberühmte Thomas Mann. SDF

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