Zu wenig Personal für Jugendarbeit

Auf dem Podium diskutierten Tim Klüssendorf (v. li., SPD, Vorsitzender Jugendhilfeausschuss), Jan Lindenau (SPD, Fraktionsvorsitzender), Pito Bernet (Geschäftsführer Lübecker Jugendring) und Kathrin Weiher (Senatorin für Kultur und Bildung, parteilos). (SDF)

SPD lud zu einer Diskussion im Jugendzentrum Burgtor zur Zukunft der Jugendarbeit ein.

Wer Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit verstehen, sagt ein geflügeltes Wort. Wohl deswegen beschäftigten sich die Teilnehmer der SPD-Veranstaltung über die Zukunft der Jugendarbeit in Lübeck zuerst ausgiebig mit vergangenen politischen Schlachten. Kultur- und Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) verteidigte ihre Weigerung, im März 2015 die Budgetverträge mit den freien Träger unbesehen zu verlängern. Sie sei zwar sehr dafür, dass gute Arbeit entsprechend bezahlt wird, aber „was nutzt die Jugendarbeit, wenn die Lage sich nicht verbessert oder der Bedarf sich ändert? Ich hätte sie damals gerne evaluiert, und das ist möglich.“ Pito Bernet, der Geschäftsführer des Lübecker Jugendrings, meinte hingegen, „wir können nicht überprüfen, wie Jugendarbeit wirkt.“ Es sei so wie bei der Wirtschaftsförderung: „Da wird Geld reingepumpt, aber es ist nicht möglich, das eingesetzte Geld und die Wirkung zu messen.“

Was die Gegenwart angeht, waren sich die Diskutanten rasch einig. „Die Jugendhilfe hat sich in den letzten Jahren sehr verändert: Wir haben weniger Personal, aber die Anforderungen sind größer und komplexer geworden“, fasste der SPD-Fraktionschef Jan Lindenau die Standpunkte zusammen. „Die Anzahl der Planstellen ist gleich geblieben“, fügte Pito Bernet hinzu, „aber viele Stellen, besonderes in den städtischen Jugendeinrichtungen, bleiben unbesetzt“, nicht nur in den Jugendzentren, sondern auch im Jugendamt. Senatorin Weiher klagte ebenfalls über die allgemeine Wiederbesetzungssperre von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): „Unsere Verwaltung ist zu sehr ausgedünnt, man darf sich nicht beim Personal kaputtsparen.“

Einigkeit herrschte auch darüber, was für die Zukunft wünschenswert wäre. Sowohl das Podium als auch die knapp 30 Zuhörer forderten, dass Schulen und die Einrichtungen der Jugendarbeit auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Es sei wichtig, dass es für die Jugendlichen auch ein freiwilliges Bildungsangebot außerhalb der eher unfreiwilligen Ganztagsbetreuung in den Schulen gibt. „Die Jugendhilfe kann die Ganztagsbetreuung viel besser gestalten“, war sich Senatorin Weiher überzeugt.

Der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Tim Klüssendorf (SPD), forderte, dass die Jugendbeteiligung endlich ernst genommen wird. Heute beschränke sie sich oft auf einem Häkchen in der betreffenden Spalte der Bürgerschaftsvorlagen. Die offenen Jugendarbeitszentren seien schließlich der Ort, an dem die Heranwachsenden Beteiligung und Demokratie lernen und erleben können.

Angeregt wurde die Ernennung eines Kinder- und Jugendbeauftragten, der ähnlich wie die Frauenbeauftragte bei jeder Entscheidung mitbeteiligt wird. Auch „ein richtiges Jugendamt“ sei wünschenswert, denn seine Zuständigkeiten sind zurzeit über mehrere Verwaltungsbereiche zerteilt. Für alle diese Ideen bat Weiher um politische Unterstützung. „In November haben wir Haushaltsberatungen, wir werden schauen, das Bestmögliche daraus zu machen“, versprach Jan Lindenau. SDF

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