Der Lübecker Schlachthof ist ein Denkmal

Es sind die Reste des einzigen erhaltenen Seegrenzschlachthofs in Deutschland: Deswegen haben die Denkmalpfleger der Hansestadt den alten Schlachthof unter Denkmalschutz gesetzt. (Fotos: Sdf)

Denkmalbehörde stellt die Überbleibsel der Anlage an der Schwartauer Allee unter Schutz.

Er ist der letzte seiner Art. Die Industrieanlagen zwischen Schwartauer Landstraße und Katharinenstraße sind deutschlandweit die letzten, zusammenhängenden Zeugnisse eines sogenannten Seegrenzschlachthofs. Davon gab es im Deutschen Reich nur fünf. In Lübeck kamen die Tiere auf dem Seeweg zum Wallhafen, blieben einige Woche in der Quarantänestation auf der Roddenkoppel und gingen über eine Viehtriftbrücke in die Schlachthallen. „Wir haben das ganze Areal als Sachgesamtheit formell unter Schutz gestellt“, teilte Christoph Reinhart von der Baudenkmalpflege der Hansestadt im Bauausschuss mit.

„Wir müssen aber noch den aktuellen Zustand einzelner Gebäude prüfen. An einigen von ihnen könnte relativ wenig erhalten bleiben“, sagte er weiter. Von besonderer Bedeutung erscheinen der Denkmalbehörde die Pforte, die Viehtriftbrücke und die Kaikante am Wallhafen. Den Rest sollte man betrachten als „Baufeld, auf dem man die Raumkanten zu beachten hat“, führte Reinhart weiter aus. Das bedeutet: Eine neue Bebauung sei zwar möglich, sie sollte sich allerdings an den historischen Grundrissen orientieren.

Dass der Schlachthof überhaupt unter Schutz gestellt werden konnte, sei der neuen Gesetzeslage zu verdanken. „Vor 2015 wäre es viel schwieriger gewesen“, erläuterte der Denkmalpfleger.

Die Reste der Industrieanlage bilden für Investor Thorsten Schulze zusätzliche Stolpersteine. Seit fast zehn Jahren versucht der nordfriesische Unternehmer, hier einen Einkaufsmarkt mit 3000 qm Verkaufsfläche und 130 Wohnungen zu bauen. „Dass die Pforte und die Viehtriftbrücke unter Denkmalschutz gesetzt werden, hatte ich erwartet“, sagte Schulze auf Nachfrage des Wochenspiegels, „aber über den Umfang, also, dass das ganze Areal unter Schutz gesetzt wird, bin ich sehr überrascht. Auch weil die Substanz sehr schlecht ist.“ Er will die Entscheidung „erstmal in Ruhe bewerten und mal sehen, wie die Vorgaben des Denkmalschutzes in mein Projekt einzupflegen sind“.

Überrascht waren auch die Baupolitiker. Der Ausschussvorsitzende Christopher Lötsch (CDU) rügte: „Wir waren an dem Punkt gekommen, wo wir entscheiden können, so oder so wird gebaut. Und dann kommt der Denkmalschutz plötzlich um die Ecke. Das finde ich unerfreulich.“ Gregor Voht (Freie Wähler) nahm insbesondere das neue Denkmalschutzgesetz von 2015 aufs Korn. „Im Grunde genommen ist der Schlachthof eine Ruine, die man nicht rechtzeitig entsorgt hat“, warf er der Stadtverwaltung vor. „Weil die Stadt das Projekt so lange verschleppt hat, kann der Investor nicht bauen.“ Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) sah hingegen nicht das Ende des Vorhabens. „Man müsste einen städtebaulichen Entwurf über den historischen Raster legen und schauen, welche neue Gebäude umsetzbar sind. Ich sehe es positiv.“ SDF

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