Kindertagespflege soll besser werden

Bildungssenatorin Kathrin Weiher (Mitte), Bettina Durt (BQL, li.) und Claudia Mersmann (Kitawerk Gemeindediakonie) präsentieren das Konzept des Förderprogramms für die Kindertagespflege. (SDF)

In Lübeck startet ein Förderprojekt des Bundes, um Tagesmütter und -väter besser zu qualifizieren.

Es sind zwei dicke Ordner, prall gefüllt mit Informationen, Empfehlungen, Hinweisen und Anleitungen für die Pflege und Betreuung der Kleinsten. Zusammen bilden sie das „kompetenzorientierte Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege (QHB)“. Dieses Werk vom Deutschen Jugendinstitut dient nun als der neue Leitfaden für die Ausbildung von Tagesmüttern und -vätern in Lübeck. Die Hansestadt ist nämlich eine der bundesweit 30 Kommunen – und die einzige in Schleswig-Holstein –, die an dem Bundesprogramm „Weil die Kleinsten große Nähe brauchen“ teilnehmen. Für die Erprobung des neuen Ausbildungsstandards erhält Lübeck bis Ende 2018 192000 Euro. Im Januar 2017 geht es mit den ersten Kursen los. Zum offiziellen Auftakt des Programms luden die Stadt, das Kitawerk der Gemeindediakonie und die Berufsausbildungs- und Qualifizierungsagentur Lübeck (BQL) zu einem Informationsabend im Rathaus ein.

„Das Modell der Kindertagespflege ist in Kommen“, sagte Senatorin Kathrin Weiher (parteilos). Immer mehr Eltern entdeckten die Vorzüge von Tagesmüttern und -vätern: die intensive, familienähnliche Betreuung. Das belegen auch die Zahlen, führte Weiher weiter aus. 2009 gab es in Lübeck 500 Plätze in der Kindertagespflege. Heute bieten 280 Tagespflegepersonen 1251 Plätzen an, sagte die Senatorin.

„Ich bin froh, dass nach diesem quantitativen nun auch der qualitative Ausbau erfolgt.“

Die neue Ausbildung verläuft nun zweistufig. Der bisherigen Grundqualifizierung (160 Unterrichtstunden) folgt jetzt eine Anschlussqualifizierung mit weiteren 140 Unterrichtstunden. Das Besondere daran ist die Stärkung der persönlichen Kompetenzen der Tagesmütter und -väter, erläuterte eine Mitautorin des Handbuches, die Diplompädagogin Claudia Ullrich-Runge aus Leipzig. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass das Programm den Tagespflegepersonen neue Karriere-Perspektiven eröffnet. Der Anschluss an den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) soll ihnen erleichtern, später in einen pädagogischen Beruf zu wechseln. Außerdem werden die Kursteilnehmer besser auf Existenzgründung und selbstständige Tätigkeit vorbereitet. Mit einem Businessplan, etwa.

Gut rechnen müssen insbesondere angehende Tagesmütter und -väter. Ihre Ausbildung wird nicht nur länger (insgesamt 300 statt 160 Unterrichtstunden), sondern auch teurer (1330 statt zirka 600 Euro). Für bereits praktizierende Tagespflegepersonen ist die Anschlussqualifizierung zwar freiwillig, wird aber von der Bildungsverwaltung der Hansestadt empfohlen. Die erforderlichen 140 Unterrichtsstunden schlagen mit 590 Euro zu Buche. Ob der Kosten fielen die Reaktionen unter den rund 70 Teilnehmern eher verhalten aus. „Die neue Qualifizierung mag gut für die angehenden Tagespflegepersonen sein“, sagte eine Tagesmutter, „aber für die bereits praktizierenden weiß ich nicht, was der Nutzen ist.“ SDF

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