Fünf Parteien für eine Bürgermeisterin in Lübeck

Kathrin Weiher (Mitte) wird in ihrer Bürgermeister-Kandidatur von fünf Parteien unterstützt. Zur Pressekonferenz kamen Sascha Luetkens (Linke), Marcel Niewöhner (BfL), Thomas Rathcke (FDP), Andreas Zander (CDU) und Michelle Akyurt (Grüne, v.li.). Foto: SDF

Breite Politik-Allianz schickt Kathrin Weiher ins Rennen zur Wahl Ende 2017.

Kultursenatorin Kathrin Weiher will die erste Bürgermeisterin der Hansestadt werden. Unterstützt wird sie durch eine breite Parteienkoalition. Eine gemeinsame Findungskommission von CDU, BfL, Grünen, FDP sowie Linke einigte sich auf die Parteilose, um Bernd Saxe (SPD) auf dem Stuhl des Verwaltungschef zu folgen. Die Bürgermeisterwahl wird erst Ende 2017 oder Anfang 2018 stattfinden.

Weiher gab ihre Kandidatur am Dienstag auf einer kurzfristig eingeräumten Pressekonferenz bekannt. Es sei noch zu früh, um ein konkretes Wahlprogramm vorzustellen, sagte sie und räumte zugleich ein: „Es wird nicht leicht, in einem so breiten Bündnis gemeinsame Inhalte zu finden, aber die gibt es“, versicherte die 54-Jährige. Sie könne sich allerdings vorstellen, als Bürgermeisterin den Zuschnitt der Fachbereiche zu ändern und die Verantwortung für die Finanzen abzugeben. Das hatten die fünf Parteien häufig von Saxe verlangt. „Mir persönlich wäre die Leitung des Personalbereiches wichtiger“, beteuerte Weiher.

Die fünf doch sehr unterschiedlichen Parteien eint hauptsächlich ein Wunsch: der Ära Bernd Saxe nach 18 Jahre ein Ende zu setzen. „Es ist an der Zeit, dass Lübeck endlich einen Bürgermeister bekommt, der nicht der SPD angehört“, betonte Andreas Zander (CDU). Für Michelle Akyurt (Grüne) ist es wichtig, dass endlich eine Frau auf dem Stuhl des Verwaltungschefs sitzt. Sie lobte Weihers „frische, zugewandte und zupackende Art“. Die Senatorin sei eine Persönlichkeit, die sachorientiert und parteiübergreifend handelt und die Bürger bei ihren Entscheidungen mitnimmt. „Saxe hat den Draht zu den Bürgern verloren“, beklagte Akyurt. „Mehr Demokratie wagen“, empfiehlt auch Thomas Rathcke (FDP). Als Bürgermeister wünscht er sich „jemanden, der gestaltet und nicht nur verwaltet.“ Sascha Luetkens (Linke) attestiert Saxe ebenfalls unlustiges Handel: „Der Bürgermeister hat nicht mehr die Kraft und den Saft, um als Bürgermeister zu agieren.“ Nach 850 Jahre sei es an der Zeit, dass Lübeck eine Bürgermeisterin bekommt.

Der Personalvorschlag der Fraktionen muss noch von den Kreisparteitagen zugestimmt werden. Dies wird in den kommenden Wochen geschehen. Ob Bürgermeister Bernd Saxe sich zum vierten Mal wieder zur Wahl stellt, ist noch unbekannt. Die SPD will ihren Kandidaten später bekannt geben. Die Freien Wähler finden Weihers Kandidatur als „verfrüht und nicht durchdacht“ und schließen sich „dieser Chaos-Nominierung nicht an“, teilte Kreisvorsitzende Thomas Misch in einer Presseerklärung mit. „Wir halten es für falsch, mit fünf politisch völlig verschiedenen Parteien eine Kandidatin zu präsentieren. Das geht nur mit einer inhaltsleeren Konsenskandidatin. Da Frau Weiher dies aber gerade nicht ist, sind wir gespannt, wann sich das bunte Kampagnen-Bündnis zerlegen wird.“ SDF

 

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