Noch immer keine Lösung für den Schlachthof in Sicht

Eine Industrieruine als städtebaulicher Zankapfel: Investor, Stadtplaner und Baupolitiker finden keine Lösung.

Es gibt weiterhin keine Entscheidung über die Zukunft des Geländes. Die Denkmalpflege untersucht nun erst einmal das Gebäude.

Wie viele Sorten Spätzle braucht der gewöhnliche Bewohner von St. Lorenz Nord? Vier oder doch lieber 15? Mit dieser einfachen Frage hat der Bauausschuss versucht, den Wettstreit von Gutachtern und Gegengutachtern um den ehemaligen Schlachthof zu klären. Aber selbst das half Lübecks Baupolitiker nicht, sich zu entscheiden. Fast erleichtert wirkten sie, als sie von der Denkmalpflege hörten. Sie hat das Industriegebäude untersucht und bereitet eine endgültige Stellungnahme dazu vor. Das bedeutet: Bis dahin passiert auf dem Gelände weiterhin nichts.

Seit über zehn Jahren versucht der nordfriesische Unternehmer Thorsten Schulze das verkommene Areal zu entwickeln. „Ich will nichts Böses“, beteuerte er, „ich plane Handel, Wohnungen und Grün“.

Konkreter: ein Kaufland und einen Getränkemarkt mit insgesamt 3800 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie 130 Wohnungen. Rund 25 Millionen Euro möchte er investieren. Der Stadtverwaltung und mehreren Baupolitikern schwant jedoch Übles. Sie fürchten, ein so großes Zentrum würde den Händlern in der Nachbarschaft und in der Innenstadt die Kundschaft abzweigen. „Das Ding ist kein Nahversorger, das ist ein Fernversorger. So ein großer Markt ist stadtplanerisch ein Gau“, urteilte Harald Quirder (SPD). „130 Wohnungen sind löblich, aber Lübeck braucht mehr Wohnraum“, kritisierte Carl-Wilhelm Howe (GAL). Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) forderte ebenso Änderungen: „Wenn man ein vernünftiges Wohnungsangebot entwickelt, ist das auch eine Rechnung, die aufgeht, auch ohne 3500 Quadratmeter Verkaufsfläche.“

Im Gespräch mit dem Wochenspiegel widersprach Thorsten Schulze: „Ich habe alles durchgerechnet. Bei den hohen Kosten, um diese hundertprozentig versiegelte Industriefläche zu entwickeln, ist es einfach nicht möglich, mehr Wohnungen zu bauen. Ich brauche diesen Mix mit dem Handel, um überhaupt dort Wohnungen zu bauen.“ Die Wohnlage sei schließlich „kein Sahnehäubchen“. Martin Kremming, ein Gutachter der Beratungsfirma Cima, verneinte, dass der geplante Kaufland-Markt die anderen Nahversorger empfindlich schädigen wird: „Sie werden bis zu 13 Prozent der Kundschaft einbüßen, aber sie sind gut aufgestellt und sie werden es verkraften können.“ Vehement unterstütze Thomas Rathcke (FDP) Schulzes Vorhaben: „Wollen wir eine aktive Entwicklung oder eine Fläche tolerieren, wo sich nur die Ratten wohl fühlen?“, fragte er. Zu einer Entscheidung kam es aber nicht. SDF

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