Kommunales Kino zeigt „Leviathan“

Moderner Hiob in Russlands Norden: Für den Automechaniker Kolia ist der Staat ein Ungeheuer. (hfr)

In Hollywood bekam „Leviathan“ den Golden Globe für das beste Drehbuch und eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film.

Der biblische Leviathan („der sich Windende“) ist ein Seeungeheuer, und ein Walgerippe ist der Blickfang für dieses moderne Drama hoch im russischen Norden. Mit „Leviathan“ zeigt das Kommunale Kino Bad Schwartau am Donnerstag, 22. September, einen Film, der scheinbar von Russland handelt, aber überall auf der Welt – also auch bei uns – spielen könnte. Tatsächlich stammt die Vorlage für Andrej Swiaginzews Geschichte aus dem US-Staat Colorado, das Buch Hiob im Alten Testament und Kleists „Michael Kohlhaas“ standen Pate.

Ein Mann, der eigentlich nur in Ruhe sein Leben leben will, kämpft gegen die Mächtigen im Dorf, im Staat, im System. In einem klassischen Western wären das der böse Großrancher und ein korrupter Sheriff, im wahren Leben und in Russland liegt der Fall etwas komplizierter. Auch wenn die Ausgangslage so schlicht ist wie in einem Western: Der Automechaniker Kolia hat ein Grundstück, das ein anderer haben will.

Russlands Kulturminister Wladimir Medinski hält den Film für Russland-feindlich, die Orthodoxe Kirche für gotteslästerlich, Putin sieht in kritischen Filmen generell die Westmächte am Werk. Dazu passt, wie der Film von Filmfreunden im Westen aufgenommen wurde: In Hollywood bekam „Leviathan“ den Golden Globe für das beste Drehbuch (Andrej Swiaginzews, Oleg Negin) und eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film. Ironie der Geschichte, oder ein Hinweis darauf, dass auch in einem verderbten System Gutes geschieht: Der Film wurde von der russischen Filmförderung mitfinanziert.

„Mit Andrej Zwiagintsews ,Leviathan’ zeigt das Kommunale Kino einen modernen russischen Film, der angefeindet und begeistert gelobt wurde, der auf jeden Fall dem Anspruch des Kommunalen Kinos gerecht wird, besondere Filme zu zeigen“, sagt Hans-Harald Schack, Vorstandsmitglied des Kommunalen Kinos.

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Der Beginn der Vorstellung wird auf der Internetseite des Movie Star veröffentlicht. Der Eintritt kostet 5,50 Euro (für KoKi-Mitglieder 4,50 Euro)
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