Telefonaktion zur Glücksspielsucht

Glückspielsucht kann Menschen in den sozialen und finanziellen Ruin führen. (Fotolia)

Viele Wochenspiegel-Leser nutzten die Gelegenheit sich bei den Experten über das Thema zu informieren – hier die häufigsten Fragen und Antworten.

Wenn Menschen süchtig nach dem Glücksspiel sind zerstört das häufig nicht nur sie selbst sondern auch die ganze Familie. Was man dagegen tun kann – darum ging es in unserer Telefonaktion. Hier eine Übersicht über die Fragen und dazu die Antworten der Berater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):

Unser Bruder verspielt sein ganzes Geld. Er hat kaum noch Zeit für die Familie, weder für uns Geschwister noch für seine Frau. Das geht schon über sechs Jahre so. Was können wir machen, um ihm zu helfen, von den Automaten weg zu kommen?

Sie können ihn vielleicht zu einer Familienrunde einladen und ihm sachlich mitteilen, was Sie über sein Glücksspiel denken und wie es Ihnen geht, wenn er seine ganze Zeit in der Spielhalle verbringt und sich nicht mehr um die Familie kümmert. Sprechen Sie dabei möglichst in der Ich-Form. Ihre Worte können vielleicht helfen, dass er sein Spiel deutlich als Problem erkennt. Aber verändern kann sich Ihr Bruder nur selbst. Hilfe findet er bei Suchtberatungsstellen, die auf Glücksspielsucht spezialisiert sind, zu finden zum Beispiel unter www.check-dein-spiel.de.

Mein Neffe ist zum Glücksspieler geworden. Da er ständig verliert, borgt er sich zum Monatsende von seinen Eltern, Onkeln, Tanten und Großeltern Geld für die Miete oder für Lebensmittel. Was können wir tun, damit das aufhört?

Ihm zuerst einmal kein Geld mehr borgen. Wenn Sie ihm weiter alle finanzielle zur Seite springen, wird er wahrscheinlich noch lange so weiter spielen. Denn er kann ja sein ganzes Geld beim Spiel verschleudern, ohne dass es für ihn schlimme Konsequenzen hat. Damit stellt das Glücksspiel für ihn kein Problem dar. Warum sollte er also damit aufhören? Ich rate Ihnen, vorab mit der ganzen Familie die Strategie zu besprechen, damit es für den Neffen kein finanzielles Schlupfloch mehr gibt. Sie sollten den jungen Mann auch in einer ruhigen Minute sagen, dass Sie sich Sorgen um ihn machen und ihm vorschlagen, professionelle Hilfe gegen seine Spielsucht in Anspruch zu nehmen. Aber die Entscheidung, ob er weiter spielt oder nicht, muss letztendlich er allein treffen.

Mein Mann sitzt nur noch am Computer und spielt um Geld, sogar am Wochenende. Wenn ich oder die Kinder dazu etwas sagen reagiert er unwirsch und spielt weiter. Ist das schon eine Spielsucht?

Wenn er so exzessiv spielt und das Spiel für wichtiger als die Familie hält, kann man zumindest von einer sehr großen Suchtgefahr sprechen. Aus einer solchen Situation kommt ein Spieler kaum allein heraus. Spielsucht ist inzwischen eine von den Krankenkassen anerkannte Erkrankung. Sie bedarf einer professionellen Therapie. Die bekommt er in spezialisierten Suchtberatungsstellen. Er muss die Therapie aber wollen, zwingen können Sie ihn nicht. Ist ihm das Spiel wichtiger als die Familie, dann bleibt Ihnen nur zu überlegen, wie Sie Ihr Leben weiter gestalten möchten. Unterstützung erhalten auch Sie bei vielen uchtberatungsstellen oder bei Lebensberatungs- oder Angehörigenberatungsstellen. Letztere sind zum Beispiel unter www.dajeb.de aufgelistet.

Kann Glücksspielsucht auch im Krankenhaus behandelt werden? Wer übernimmt die Kosten?

Die Therapie kann in einem Reha-Krankenhaus stationär durchgeführt werden. Die Behandlung wird in der Regel durch den zuständigen Rentenversicherungsträger finanziert. Die Suchtberatungsstellen helfen, einen geeigneten Therapieplatz zu finden und die Kostenübernahme zu klären.

Bei der Beratungsstelle habe ich erst in vier Wochen einen Termin bekommen. Wie überstehe ich diese Zeit, ohne wieder in die Spielhalle zu gehen?

Zur Überbrückung können Sie die Online-Beratung auf www.check-dein-spiel.de nutzen. Jeden Donnerstag gibt es hier auch von 15-17 Uhr eine offene Chat-Stunde. Sie können natürlich jederzeit wenn der Drang zu spielen übermächtig wird, wieder bei uns anrufen.

Durch die Besuche in der Spielhalle habe ich schon überall Schulden. Kann ich mich vom Spiel sperren lassen, damit das nicht so weiter geht?

Am einfachsten wäre es für Sie, in Ihren Spielhallen um eine Sperrung durch ein persönliches Hausverbot zu bitten. Allerdings kann das nur ein erster Schritt sein. Um wirklich vom Glücksspiel weg zu kommen ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Problem und eventuell eine Therapie nötig.

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Für weitere Fragen steht die Telefonberatung zur Glücksspielsucht unter der Telefonummer 0800/1372700 von Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr und von Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Weitere Informationen gibt es auch im Internet auf www.check-dein-spiel.de, www.spielen-mit-verantwortung.de. Auf www. bzga.de/infomaterialien steht Informationsmaterial zur Verfügung.

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