„Lübeck ist keine Sportstadt“

Pito Bernet (Turn- und Sportbund Lübeck), Wolfgang Baasch (SPD-Landtagsfraktion), Marek Lengen (Sportpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion), Gabriele Hiller-Ohm und Maximilian Murski (v.l.). (afu)

Sportkonferenz spart nicht mit Kritik – Maximilian Munski ist die große Ausnahme.

Ein bisschen sportlicher Glanz fiel auf die Sportkonferenz, zu der Gabriele Hiller-Ohm eingeladen hatte. „Nicht nur für Olympische Spiele – Sport für alle in der Hansestadt Lübeck“ lautete das Thema. Rund zwei Stunden diskutierte die SPD-Bundestagsabgeordnete mit ihren Gästen und den rund 70 Besuchern in der Diele, Mengstraße 41, wie es um den Sport in Lübeck bestellt ist. Ganz besonders freute sich Gabriele Hiller-Ohm, das Maximilian Munski der Einladung gefolgt war. Der 28-Jährige von der Lübecker Ruder-Gesellschaft von 1885 hatte bei den Olympischen Spielen in Rio mit dem Deutschland-Achter die Silbermedaille gewonnen.

Einig waren sich alle Teilnehmer über die Vorzüge und die gesellschaftliche Bedeutung von Sport. „Sport ist gesund, wichtig für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, er hilft bei der Integration, vermittelt Werte wie Toleranz, Fairness, Respekt, Leistungsbereitschaft, Teamgeist und er macht vor allem Spaß“, so Gabriele Hiller-Ohm.

Angesichts der Anforderungen, die der (ehrenamtliche) Sport erfüllen soll, verwundert es dann allerdings, dass gerade einmal 300000 Euro pro Jahr direkt an den Sport fließen. Das sind deutlich weniger als ein Prozent des 700-Millionen-Haushaltes der Hansestadt. Zum Vergleich: alleine ein neuer Kunstrasenplatz kostet schon 500000 Euro.

Etwa 140 Sportvereine mit rund 40000 Mitgliedern gibt es Lübeck. Die Quote von etwa 20 Prozent liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (34 Prozent). „Da hinken wir ganz schön hinterher“, musste der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft, Marek Lengen, feststellen. Dazu kommt, dass es angesichts immer flexiblerer Arbeitszeiten auch immer schwieriger wird, Sport im Verein zu betreiben. Viele gehen deshalb ins Fitnessstudio oder joggen durch den Wald.

So erfreulich der sportliche Erfolg von Maximilian Munski für Lübeck auch ist, er bleibt die große Ausnahme. Dabei begann sein sportlicher Werdegang ganz klassisch im Breitensport. Die Eltern schickten ihn zunächst zum Schwimmen, 1998 kam er durch einen Schulfreund zum Rudern. Er blieb dabei, „weil wir eine tolle Gemeinschaft und tolle Trainer hatten und auch erfolgreich waren“.

Für Olympia unterbrach er sein Sonderschulpädagogik-Studium und lebte ein Jahr lang ganz für den Sport. „Das hat aber auch nur funktioniert, weil ich viel Unterstützung hatte“.

Ein Problem des Sports in Lübeck ist die fehlende Lobby. „Es gibt keinen einzigen Vereinsvorsitzenden in der Bürgerschaft“, sagte Pito Bernet. Der stellvertretende Vorsitzende des Turn- und Sportbundes Lübeck fordert außerdem eine bessere Vernetzung von Schulen und Vereinen. Auch mehr hauptamtliche Trainer sind seiner Meinung nach nötig. Die Realität sieht ganz anderes aus. Der größte Sportverein, die Lübecker Turnerschaft von 1854 e.V. mit 2700 Mitgliedern, hat nicht einmal zwei ganze Stellen mit hauptamtlichen Trainern besetzt.

Angesichts dieser zahlreichen Baustellen hatten einige Teilnehmer der Konferenz Bauchschmerzen, als es um das Millionen-Projekt „Sportanlage Falkenwiese“ ging. 2,7 Millionen Euro stehen dafür an Bundesmitteln zur Verfügung, die Hansestadt gibt noch einmal 300000 Euro für den ersten Bauabschnitt dazu. „Klappt alles, könnten die Außenanlagen 2018 fertig sein“, hofft Pito Bernet. Wo das übrige Geld herkommen soll, steht noch in den Sternen.

Maximilian Munski fasste es am Ende zusammen: „Auch aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass Lübeck definitiv keine Sportstadt ist. Wie kann man das ändern? Vielleicht sollte man die Sache einfach sportlich sehen, sich Schritt für Schritt weiterentwickeln, dann stellen sich später auch Erfolge ein. Das kann Lübeck schaffen, wenn der politische Wille da ist. Mehr Sportler in der Politik finde ich nicht schlecht, vielleicht ist das eine Chance“. Hiller-Ohm versprach, die Anregungen ernst zu nehmen und sich dieser sportlichen Herausforderung zu stellen. Auch weitere Sportkonferenzen sollen folgen. afu

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