Was passiert mit dem Erbe der Gartenschau?

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Politik muss zahlreiche Entscheidungen fällen – Ehrenamtler stehen in den Startlöchern.

Eutin. Ab Oktober wird zurückgebaut: Nach Ende der Landesgartenschau (LGS) am 3. Oktober wird es noch einige Wochen dauern, bis alle Flächen wieder frei zugänglich sind. Denn zunächst müssen die temporären Anlagen abgebaut werden. Auf der Hauptausschusssitzung machte der Eutiner Bauamtsleiter Bernd Rubelt am Dienstag noch einmal deutlich, dass die meisten geschaffenen Werte wie geplant bestehen bleiben. „Die Frage ist vielmehr, was darüber hinaus erhalten wird“, so Rubelt. Darüber müssen Kommunalpolitik und Bürger jetzt entscheiden.

Die Grünanlagen attraktiv zu halten, sei eine Daueraufgabe. Ein Pflege- und Entwicklungskonzept wird dazu gerade erstellt. Das Nachnutzungskonzept für die einzelnen Bereiche der Gartenschau liegt dagegen bereits vor, nur gelte es jetzt, manch offene Frage zu klären. Grundsätzlich werden auf dem Gesamtgelände die Gastronomie-Pavillons, die Eingangsanlagen und temporären, mit Holz eingerahmten Beete entfernt.

Im Seepark bleiben die Spielangebote, der Strand, die Steganlagen, der Lawrence-Garten und die Beete entlang der Hauptachse erhalten. Ein Fragezeichen steht hinter der kleinen Bühne – wird sie weiterhin gebraucht, ist sie praktikabel? Laut Rubelt sei die Verabschiedung einer Parkordnung für den Seepark angebracht, um klare Spielregeln für die Nutzung der öffentlichen Grünanlage zu haben.

Die Stadtbucht besitzt ihr endgültiges Erscheinungsbild. Hier war allerdings ursprünglich geplant, die Pflanzbeete um die Promenadenbäume zurückzubauen, doch viele Stimmen fordern den Erhalt – „sonst wäre die Stadtbucht sehr kahl“, meint zum Beispiel Jürgen Bröker-Wolf vom LGS-Förderverein. Er bringt die Pflege durch ehrenamtliche Kräfte ins Spiel. „Mehr als 100 Ehrenamtler haben sich auf der Gartenschau eingebracht. Viele stehen weiterhin zur Verfügung und warten nur darauf, gefragt zu werden!“

Auf dem Vorplatz der Schlossterrassen müssen die drei Wechselflorbeete entfernt werden, das von der Wobau gestiftete Piratenspielschiff wird einen anderen Platz in Eutin finden müssen. Und von der Politik zu entscheiden ist, ob der Schloss- Nordgarten künftig wieder als kostenfreie Dauerparkanlage genutzt oder „bewirtschaftet“ werden soll. Empfohlen wird, den Platz zeitweise als Veranstaltungsort – zum Beispiel für Musikkonzerte – zu nutzen. Auch im Schlossgarten werden die Wechselflorbeete zurückgebaut. Und die Lounge- Plattformen unterhalb des Sonnentempels müssen ebenfalls entfernt werden.

Das Bauhofareal mit seiner Möblierung und den großzügigen Rosenbeeten ist eine Daueranlage, die künftig über die neue Straße durch den Lindenbruchgraben zugänglich ist. Die Torhäuser sollen künftig für kulturelle Zwecke genutzt werden. Der Kuhstall wird abgerissen, an der Stelle soll eine Jugendherberge entstehen. Der Baubeginn ist allerdings noch offen. Das Gelände der Kultur- und der Hausgärten ist als Wohnbaufläche ausgewiesen und wird bebaut. Am Süduferpark ist auf dem Areal am LGS-Haupteingang ein Wohnmobilstellplatz geplant, der möglichst noch zur neuen Saison im April 2017 in Betrieb genommen werden soll.

Ganz besonders am Herzen liegt den LGS-Machern, der Schloss-Stiftung, der Stadt und dem Förderverein, aber auch vielen Bürgern der Erhalt des Küchengartens im Schlosspark. „Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht von Besuchern gefragt werden, wie es mit diesem Garten weitergeht“, sagte Rubelt. Es gibt den Gedanken, den Bereich in den von der Sparkassenstiftung im benachbarten Vogthaus geplanten außerschulischen Lernort einzubeziehen und den Betrieb eines dauerhaften „Grünen Klassenzimmers“ zu initiieren. Die jetzt im Küchengarten aktiven Vereine und Initiativen haben ihre Bereitschaft signalisiert, weiterzumachen. Darüber hinaus erwägt der LGS-Förderverein, den sehr gut angenommenen Bieneninformationsweg des Eutiner Imkers Oliver Morris weiterhin zu unterstützen und um ein kleines Bienenmuseum zu erweitern.

Viel Arbeit wartet also auf die städtischen Gremien, aber auch die Allgemeinheit ist gefragt: Voraussichtlich Ende September will die Stadt zu einer Bürgerversammlung einladen und das Interesse an einer Mitwirkung am Erhalt des Gartenschau-Erbes abklopfen. vg

 

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