Sensationsfund schlummerte im Magazin

Anja Sierks-Pfaff, die neue Geschäftsführerin der Kulturstiftungen des Kreises, und Museumsleiterin Dr. Julia Hümme (rechts) präsentieren die unscheinbare Mappe, in der die Zeichnungen gefunden wurden. (Graap)

Ausstellung im Ostholstein-Museum: In Eutin wurden unbekannte Zeichnungen von Friedrich Overbeck entdeckt.

„Wunder gibt es immer wieder“, sagt Museumsleiterin Dr. Julia Hümme. Die Fachwelt spricht von einem Sensationsfund: Im Herbst 2014 wurden durch Zufall im Magazin des Eutiner Ostholstein-Museums bisher unbekannte Zeichnungen des berühmten Romantikers Friedrich Overbeck (1789-1869) entdeckt. Nach der Erforschung der Arbeiten sind sie jetzt im Rahmen einer Ausstellung im Museum am Schlossplatz 1 zu sehen.

„Alles befand sich in einer braunmarmorierten Mappe, die in einer Schublade schlummerte“, berichtet Julia Hümme. Der wichtigste Inhalt: 19 Zeichenblätter mit Overbeck-Originalen, die in Bleistift, in Feder und in zwei Fällen in Öl ausgeführt sind und zum Teil auch rückseitig Zeichnungen aufweisen. Laut des Göttinger Professors und Overbeck-Spezialisten Dr. Michael Thimann handelt es sich um für die kunstgeschichtliche Forschung bedeutende Arbeiten, die die rasante Entwicklung des Künstlers belegen und nun manche Lücke in der bisherigen Forschung schließen.

Dem kunstinteressierten Publikum ist Friedrich Overbeck als führender Vertreter der romantisch-religiösen Malerei und als solcher vor allem als Mitbegründer des „Lukasbundes“, deren Mitglieder gemeinhin „Nazarener“ genannt wurden, ein Begriff. Zu den bekanntesten Werken des gebürtigen Lübeckers gehört das Ölbild „Italia und Germania“, das in Rom entstand. Zuvor hatte Overbeck von 1806 bis 1810 an der Akademie in Wien studiert. Aus dieser Zeit stammen auch die Eutiner Zeichnungen, die zum Teil akademische Studien sind. Es befinden sich aber auch Studienarbeiten darunter, die als Herausforderung unter Studienkollegen entstanden sind. Dass die Arbeiten für den Künstler selbst oft nur schulischen Wert hatten, belegt die Tatsache, dass manche Papiere zerschnitten und deren Rückseite für neue Skizzen benutzt wurden. Die älteste Zeichnung datiert übrigens von 1805: Das Bild vom Erzengel Michael ist im Urlaub in Niendorf entstanden. »Die Ausstellung ist bis zum 20. November zu sehen. Begleitend ist ein reich illustrierter Katalog erschienen.

Weitere Infos online unter www.oh-museum.de.

vg
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