„Die Linden an der Untertrave sind gesund“

Der ehemalige Chef des Stadtforstes Lutz Fähser (2. von re.) kritisiert scharf das Baumgutachten der Bauverwaltung. Über seine fachliche Unterstützung freuen sich Alexandra Stauvermann, Arnim Gabriel und Ingrid Boitin (von li.) vom Aktionsbündnis Lübecks Linden leben lassen. (SDF)

Der ehemalige Chef des Stadtforstes, Lutz Fähser, widerspricht dem Gutachten der Bauverwaltung.

Das Aktionsbündnis zur Rettung der Linden an der Untertrave bekommt fachkundige Unterstützung. Dr. Lutz Fähser, ehemaliger Forstdirektor der Hansestadt, hat sich der Initiative „Lübecks Linden leben lassen“ angeschlossen. „Nicht nur wegen der bedrohten Bäume an der Untertrave, sondern auch weil der Umgang der Stadtverwaltung mit den berechtigten Forderungen von Bürgern zu wünschen übrig lässt“, sagt der angesehene Forstwirt. Er kritisiert scharf das von der Stadt bestellte Gutachten über den Zustand der Winterlinden. Die 48, durchschnittlich 50 Jahre alten Bäume sollen nach den Plänen der Stadtplaner bereits in wenigen Wochen gefällt werden. Damit wird Platz für die Umgestaltung der Untertrave zu einer großzügigen Flaniermeile mit 60 neuen Jungbäumen geschaffen.

„Die Winterlinden an der Untertrave sind durchschnittlich gesund. Nicht gesünder, aber auch nicht kränker als die durchschnittliche Linde der Hansestadt“, urteilt Fähser. Die festgestellten Mängel seien gar keine. „Eine kleine Krone, ein mächtiger Wurzelstock, ein langsames Wachstum und viele Asttriebe am Stamm sind die typischen Merkmale der Winterlinde, so wie sie in Fachbüchern beschrieben sind.“ Damit zerpflückt er das Gutachten des staatlich bestellten und vereidigten Baumsachverständigen Andreas Scheel. Dieser hatte in seiner Expertise im Auftrag der Hansestadt die Linden für zu klein und zu schmächtig für ihr Alter befunden. Sie würden jede Baumaßnahme, selbst eine Verbesserung ihres Standraums, auch nicht überleben. „Das ist einfach lächerlich“, kommentiert spöttisch Lutz Fähser, „ich kann mir nicht vorstellen, dass das Fällen der Bäume einen ökologisch vernünftigen Grund hat.“ Wie der städtische Gutachter dennoch zum gegenteiligen Fazit gekommen sei, könne er sich nur so erklären: „Er stand in einer üblen Zwangssituation, er konnte nicht anders.“ Auch Alexandra Stauvermann meint: „Die Bauverwaltung war mit ihren Plänen für die Untertrave schon fertig, bevor sie das Baumgutachten in Auftrag gab.“ Die Entscheidung sei damit schon vorher gefallen, vermutet die Sprecherin des Aktionsbündnisses Lübecks Linden leben lassen.

Die Sammlung von Unterschriften für ein Bürgerbegehren zur Rettung der Linden sei indes gut gestartet, berichtet Arnim Gabriel. Genaue Zahlen gebe es noch nicht, sie lägen aber bereits „in den Tausenden“. Viel Zeit, um einen Bürgerentscheid herbeizurufen, hat das Aktionsbündnis nicht. Die Baumretter wollen bis Mitte September die benötigten 7025 Unterschriften beisammenhaben, denn schon in Oktober könnte die Stadt mit dem Fällen beginnen.

Die Stadtverwaltung hat in einer Pressemeldung inzwischen mitgeteilt: Wenn die Linden erhalten werden sollten, könne die bisherige Planung der Promenade nicht umgesetzt werden. „Bei Erhalt der Linden im Rahmen der geplanten Umgestaltung der Untertrave droht der Hansestadt Lübeck der Verlust fast aller Fördergelder.“ SDF

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Eine Antwort auf „„Die Linden an der Untertrave sind gesund““

  1. Hildegard Jansen sagt:

    Tja, wenn man alternative bzw. etwas abgeänderte Entwürfe, welche den Erhalt der Linden miteinbinden, gar nicht erst eingereicht und mit dem Land und dem Bund redet, dann kann man schnell mal so eben behaupten, dass ohne das Fällen der Linden die gesamte Förderung zusammenbricht. Also, Leute, nicht alles glauben, was die Stadtverwaltung einem so alles aufbinden will. Diese Mauschelei hinter verschlossenen Türen ist eh´ nicht mehr zu ertragen.
    Was hier so alles gelaufen ist, lässt einen grübeln. Auch in anderen Städten wird gemauschelt, aber ich frage mich manches Mal, ob diese Art der rücksichtslosen und bürgerfernen Politik nicht auch durch das alte hansestädtische System von Bürgerschaft und Senat am Ende noch mehr begünstigt wird oder nicht…Wer kann mir dazu etwas sagen? Sollte an meinen Sorgen etwas dran sein, so frage ich mich, ob man sich nicht lieber mal von diesem System verabschieden sollte. Lübeck ist keine freie Hansestadt mehr.

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