Ratekau bleibt auf Mietkosten sitzen

Kümmern sich verstärkt um die Integration der Flüchtlinge: Christine Treder-Rabbe von Ordnungsamt, Patrick Bohle und Thomas Keller. (afu)

Verwaltung hält Wohnraum für 70 Flüchtlinge vor – Bürgermeister Keller fordert finanzielle Unterstützung vom Land.

Ratekau. Bürgermeister Thomas Keller fordert das Land Schleswig-Holstein auf, sich finanziell an den Vorhaltungskosten für ungenutzten Wohnraum für Asylbewerber zu beteiligen. Hintergrund: Die Zahl der Flüchtlinge in der Gemeinde Ratekau liegt aktuell deutlich unter den angekündigten Prognosen. Anfang 2016 gingen die Planungen von 300 Flüchtlingen aus. Diese Zahl wurde im Frühjahr auf 159 reduziert. „Tatsächlich gekommen sind bisher 69 Menschen, seit Anfang Mai gar keiner mehr“, berichtet Thomas Keller.

Die Gemeinde hatte sich auf die reduzierte Quote eingestellt und entsprechend Wohnraum angemietet, eine Immobilie gekauft und eine weitere angebaut. „Wir haben derzeit freie Unterkünfte für 70 Personen“, sagt der Verwaltungschef. Die dabei anfallenden (Miet-)kosten muss die Gemeinde alleine tragen. Genaue Zahlen nennt Thomas Keller nicht, er spricht von „ein paar tausend Euro im Monat“.

Finanzielle Hilfen vom Land wie Mietkostenerstattung oder Integrationspauschale gibt es nur für tatsächlich zugewiesene Personen.

Thomas Keller fühlt sich in diesem Punkt wie viele seiner Kollegen allein gelassen. „Wir wünschen uns verlässliche Rahmenbedingungen vonseiten der Bundespolitik. Im Moment ist die Situation aber völlig unklar“, so der frisch gewählte Vorsitzende des Kreisverbandes Ostholstein im Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag.

Wegen der unsicheren Entwicklung hat man entschieden, den derzeitigen freien Wohnraum bis auf Weiteres bereit zu halten. „Es ist ein Spagat“, weiß Thomas Keller. „Sollten doch wieder mehr Menschen zu uns kommen, wollen wir keine kurzfristigen, teuren Lösungen. Unser Ziel ist es, nachhaltig zu planen, sodass wir die Objekte später anderweitig sinnvoll nutzen können.“ Deshalb wurde auch das Gelände in der Schwartauer Landstraße gekauft, auf dem sich der ehemalige Aldi-Markt Sereetz befand. Das Areal war einige Zeit als Standort für eine Asylunterkunft im Gespräch. Nun soll dort in einigen Jahren die Freiwillige Feuerwehr eine neue Heimat finden.

Die geringeren Flüchtlingszahlen machen es auf der anderen Seite möglich, dass sich die hauptamtlichen Mitarbeiter und die vielen ehrenamtlichen Willkommenslotsen verstärkt um Aufgaben der Integration kümmern können. Dazu gehören die Vermittlung von Praktika und Arbeitsstellen, Hilfe bei Behördengängen, Unterstützung von Familien, Freizeitgestaltung und Sprachkurse. afu

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