Erntezeit im Küchengarten

Der Eutiner Dehoga-Chef Harry Heinsen erntet regelmäßig Gemüse und Kräuter fürs Showkochen im Küchengarten. (Foto: Graap)

Im revitalisierten Areal blüht und grünt es. Für die Zukunft werden Ehrenamtler gesucht.

Keine Frage: Der wiederhergestellte historische Küchengarten im Herzen des Eutiner Schlossgartens ist ein Highlight der Landesgartenschau. Schon bei der Einweihung im März, als noch keine Pflanze blühte und grünte, wurde das 1,8 Hektar große Areal als „Juwel“ bezeichnet. Fünf Monate später ist die Revitalisierung des Küchengartens mit allen Sinnen erlebbar: Blumen und Bäume sind eine Augenweide, Kräuter, Gewürz- und Heilpflanzen duften um die Wette, und das erntereife Obst und Gemüse schmeckt königlich – davon können sich die Besucher zum Beispiel überzeugen, wenn der Eutiner Dehoga-Chef Harry Heinsen in der Showküche neben der Orangerie seine saisonalen Gerichte kocht und Probierportionen verteilt.

Der Koch ist geht dreimal in der Woche durch die Beete, um sich fürs Showkochen mit frischen Zutaten einzudecken. „Ich schaue dann, was zu Fleisch oder Fisch passt. Zum Dorschfilet gab’s geschmorten Spitzkohl, und da die Franzobst-Bäume jetzt Früchte tragen, sind Birnen, Bohnen und Speck gerade topaktuell“, berichtet er.

Heinsen darf sich hier frei bedienen, die Besucher eher nicht. „Wenn jeder der täglich 4000 Gäste einen Apfel pflücken würde, gäbe es ganz schnell nichts mehr zu sehen oder zu ernten“, sagt LGS-Projektleiterin Stephanie Bolz. Unter ihrer Federführung wurden die Parzellen bepflanzt. „Uns ist wichtig zu zeigen, welche Aufgaben der Küchengarten einst hatte und welche Anbaumethoden und welche Pflanzenvielfalt es früher gab“, erläutert sie.

Der ummauerte Nutzgarten diente über Jahrhunderte der Produktion von gärtnerischen Erzeugnissen und belieferte die Eutiner Hofküche. Schon unter Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755-1829) wurden zahlreiche Obst- und Gemüsesorten wie Kartoffeln, Broccoli und Spargel angebaut. Heute ist hier wieder eine unglaubliche Vielfalt gerade alter Sorten zu finden – ob Pastinaken oder Mohrrüben, Schwarzwurzeln oder Mangold, Fenchel oder Zwiebelgewächse. „Viele historische Sorten haben wir aus alten Dokumenten des Herzogs herausgelesen“, so Bolz, die besonders von den Kesselbaum-Alleen angetan ist. Die Franzobst-Bäume seien seit 2010 speziell für den Eutiner Küchengarten in der Form von Kesseln gezogen worden. „So hat man es im 18. Jahrhundert gemacht. Der Herzog konnte seinen Gästen beim Flanieren hervorragend zeigen, was er für tolles Obst hat. Am Baum können sich auf Griffhöhe große Früchte ausbilden“, erzählt Bolz.

Jetzt gilt es, auch sinnbildlich die Früchte des Projekts zu ernten. Der Traum von Stephanie Bolz ist es, dass der Küchengarten auch nach der Gartenschau in seiner jetzigen Vielfalt und auch als Lernort für Kinder erhalten bleibt. „Für dieses Ziel sind wir in enger Absprache mit allen Akteuren, die den Küchengarten zurzeit bespielen“, sagt sie. Auch Events – etwa zum Spargelstechen im Frühling – kann sie sich gut auf dem Areal vorstellen. „Es hat sich bereits eine Interessengemeinschaft gebildet, die den Hildegard- von-Bingen-Garten weiterentwickeln möchte. Ohne Ehrenamtler wird es auf Dauer kaum gehen“, meint Bolz.»Wer sich für das weitere Gedeihen des Küchengartens einsetzen möchte, kann sich unter Telefon 04521/7648982 mit Stephanie Bolz in Verbindung setzen.

vg
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