Ein Dorf kämpft für seine Flüchtlinge

Sie haben 53 Unterschriften gesammelt, damit ein junges afghanisches Ehepaar nicht nach Ungarn abgeschoben wird: (v.l.) Annegret und Hinrich Hilscher und Barbara Schumann aus Eckhorst. (HÖ)

Mit einer Unterschriftenaktion wehren sich die Dorfbewohner gegen die Abschiebung eines integrierten afghanischen Ehepaares.

Morgens um 6 Uhr wurden Jaihun und Khosrau Taheri aus den Betten geklingelt. Sechs Mitarbeiter der Ausländerbehörde wollten die Eheleute zum Flugplatz bringen, damit sie nach Ungarn überstellt werden können. Beide haben zwar eine Duldung bis zum 30. August und sollten am Freitag vergangener Woche einen Gerichtstermin in Schleswig wahrnehmen.

Dennoch sollten sie bereits am 5. Juli abgeschoben werden. Nach einem Zusammenbruch Jaihuns, weshalb die junge Frau ins Krankenhaus gebracht wurde, war die Abschiebung vorerst abgewendet. „Wir möchten, dass Jaihun und Khosrau in Eckhorst wohnen bleiben können“, sagen Annegret und Hinrich Hilscher und werden dabei von vielen weiteren der rund 800 Eckhorster unterstützt. „Sie sind sehr freundlich, aufgeschlossen und offen.“ Beide hätten sich stets vorbildlich um Integration bemüht. Obwohl sie als Afghanen keinen Anspruch auf einen Integrationskurs haben, besuchten sie regelmäßig auf eigene Initiative Sprachkurse in Lübeck, zusätzlich zu den bisher rund 100 Stunden Deutschunterricht im Dorf.

Seit September sind das Ehepaar Jaihun (26) und Khosrau Taheri (28) und eine fünfköpfige Familie in Eckhorst heimisch geworden. „Sie wurden von den Dorfbewohnern freundlich aufgenommen und haben sich auch stets freundlich verhalten, man könnte sie als gut integriert bezeichnen“, erklärt Dorfvorsteher Helmut Neu dazu. „Unsere Absicht ist, auf den guten Integrationsstatus hinzuweisen, dass dieser beim Asylverfahren mit berücksichtigt wird.“

Das vorbildliche Verhalten der Taheris wird ihnen nun zum Verhängnis. Da sie sich in Ungarn haben registrieren lassen, müssen sie nun dorthin zurück. „Andere, die sich nicht so ordnungsgemäß

verhalten haben, dürfen bleiben, das finden wir ungerecht“, meint auch Barbara Schumann. „Wir sind alle sehr betroffen.“ Und Annegret Hilscher meint: „Ungarn schiebt sofort ab. Da werden maximal zwölf Flüchtlinge pro Tag aufgenommen, keiner will mit denen was zu tun haben.“

Auch an die Gemeinde haben sich die Eckhorster gewandt. Doch Hauptamtsleiter Axel Kerbstadt erklärt dazu: „Unsere Einflussnahme geht leider gegen Null, da die Entscheidungen an anderer Stelle getroffen werden.“ Deshalb seien auch die näheren Hintergründe zu dem Verfahren nicht bekannt. Von der Ausländerbehörde des Kreises Ostholstein gab es bislang noch keine Stellungnahme dazu.

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