Geschäftswelt setzt Zeichen gegen Verkehrsversuch

Klaus Hoth
WVE-Chef Klaus Hoth hat Unterschriftenlisten gegen den Verkehrsversuch vorbereitet, die jetzt in den Geschäften ausgelegt werden. (Graap)

Die Wirtschaftsvereinigung Eutin erreicht Änderung der neuen Parkregelung und startet Unterschriftenaktion zum Stopp des Tests.

Nachdem das im Hinblick auf die Landesgartenschau erhoffte Umsatzplus für die meisten Geschäfte in der Eutiner Innenstadt ausgeblieben ist, mischt sich die Kaufmannschaft jetzt stärker in die Kommunalpolitik ein. Auf einer gut besuchten Versammlung der Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE) am Dienstag im Brauhaus setzte die Geschäftswelt ein unmissverständliches Zeichen: Einmütig sprachen sich die 60 Teilnehmer gegen Experimente bei der Verkehrsführung in der Innenstadt aus. Den ab Oktober geplanten Verkehrsversuch mit Sperrung der Schlossstraße für den Durchgangsverkehr wollen die Kaufleute stoppen. Ausliegende Unterschriftenlisten sollen das Stimmungsbild bekräftigen.

Von einem gescheiterten Experiment verabschiedet sich die Stadt Eutin bereits wieder: Wie der WVE-Vorstand um Klaus Hoth und Thomas Menke bekannt gab, wird die Stadtverwaltung die zur Gartenschau geänderte Parkregelung im Zentrum wieder ändern. In Kürze soll täglich ab 16 Uhr sowie am Wochenende freies Parken gelten. Denn so angespannt wie befürchtet, stellt sich die Parkplatzsituation trotz Landesgartenschau nicht dar.

Gar nicht rosig hingegen sehen viele Geschäftsleute die allgemeine Situation des Einzelhandels in der Innenstadt. Und daraus leitet sich auch die klare Forderung ab, durch einen Verkehrsversuch nicht noch weitere Kunden zu vergraulen. Die Pläne wurden unter anderem als „Geschichte aus dem Tollhaus“ und „wirtschaftsgefährdend“ bezeichnet.

Vorgesehen ist, die Straße Am Rosengarten als Sackgasse einzurichten, die Schlossstraße in Höhe Propstenhaus zu sperren und den Verkehr über Jungfernstieg und Stolbergstraße jeweils in beide Fahrtrichtungen fließen zu lassen. Darüber hinaus soll in der Albert-Mahlstedt-Straße die Einbahnstraßenregelung aufgehoben werden. Angesichts des erst jüngst hergestellten Nadelöhrs an der Fußgängerampel in der Albert-Mahlstedt-Straße, der fehlenden Wendehammer im Bereich Rosengarten/Schlossstraße und den vielen Parkplätzen, die in der Stolbergstraße und am Jungfernstieg wegfallen würden, wurden starke Zweifel an der Praktikabilität dieser Verkehrsführung laut.

WVE-Chef Klaus Hoth betont, man sei mit allen Fraktionen der Stadtvertretung im Gespräch. Die FDP habe bereits für die nächste Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses beantragt, den im Februar gefassten Beschluss für die Testphase aufzuheben. Denn „mittlerweile gibt es neue Erfahrungen der Eutiner Wirtschaft, die Gehör und Berücksichtigung finden müssen“, so die FDP.

In Sachen Stadtsanierung, die von der breiten Mehrheit nicht grundsätzlich infrage gestellt wird, fordert die Kaufmannschaft ein zuverlässiges Baustellenmanagement. „Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie und Wann. Wir haben vom Bürgermeister die Zusage, dass wir eng in die Planungen eingebunden werden und wir eine Kontaktperson in die Planungsgruppe integrieren können“, so Hoth. Die Umgestaltung von Peterstraße, Marktplatz und Königstraße werde kommen, allein schon deshalb, weil jahrzehntealte Versorgungsleitungen erneuert werden müssten. Das unterstreichen auch die Marktbeschicker: Die vorhandene Infrastruktur werde den heutigen Anforderungen längst nicht mehr gerecht. vg

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