Stöcker übernimmt das Steuer am Flughafen

Die Bürgerschaft billigt den Übernahmevertrag für den Airport.

Keine Pauken, keine Trompeten, keine klirrenden Sektgläser und keine jubelnden Betriebsmitarbeiter auf den Publikumsrängen im Rathaus. Die Übernahme des Lübecker Flughafens durch Prof. Winfried Stöcker, den Gründer und Chef des Medizintechnik-Unternehmens Euroimmun, ging ausgesprochen leise vonstatten. Die Mitglieder der Bürgerschaft billigten den Vertrag mit der Stöcker Flughafen GmbH & Co.KG in einer nichtöffentlichen, zügig abgehaltenen Abstimmung. Dafür sprachen sich die beide größten Fraktionen in der Bürgerschaft, CDU und SPD, sowie die kleinen bürgerlichen Parteien aus.

„Wir können sehr zufrieden sein“, freut sich der Fraktionschef der CDU, Andreas Zander: „Herr Prof. Stöcker hat bewiesen, dass er ein hervorragender Unternehmer ist. Und wenn es am Flughafen so weitergeht, wie er es beabsichtigt, sehe ich sehr gute Ansätze, dass mittel- oder langfristig der Linienflugverkehr wieder nach Lübeck kommt.“ Durch den Einstieg des neuen Investors seien größere finanzielle Belastungen für die Hansestadt abgewendet worden. Bei einer Schließung von Blankensee hätte Lübeck Fördergelder zurückzahlen, den Rückbau finanzieren und Altlasten entsorgen müssen, rechnet Zander vor. „Wenn man das alles zusammen zählt, wäre ein Schaden für die Hansestadt Lübeck entstanden, der sich locker 40, 50, 60 Millionen hätte belaufen können. Und dieses Risiko ist nicht mehr da.“

Für die Stadt sei die Vereinbarung mit dem neuen Flughafenbetreiber sogar vorteilhafter als mit den alten, hebt der Fraktionschef der SPD, Jan Lindenau, hervor: „Der jetzige Vertrag sieht vor, dass die Investitionszuschüsse in Höhe von 5,5 Millionen Euro, die mit den vorherigen Investoren vereinbart worden waren, nun befristet sind. Nach Fristablauf in 2021 sind wir von den finanziellen Lasten eines eventuellen Flughafenausbaus befreit.“

Die Übernahme durch Winfried Stöcker befürwortete auch der Linke Ragnar Lüttke. Mit seiner Zustimmung wollte er hauptsächlich verhindern, dass die Stadt auf den Kosten für die Abwicklung des Flughafens sitzen bleibt. Ein wenig Schadenfreude habe auch eine Rolle gespielt, erklärt Lüttke: „Stöcker wird es nicht schaffen, den Flughafen wirtschaftlich zu betreiben, er wird ihn viele Millionen kosten. Und das gönne ich ihm.“

Grüne und GAL stimmten gegen die Übernahme. „Ein Regionalflughafen ohne Flugverkehr macht keinen Sinn“, kritisiert die GAL-Fraktionsvorsitzende Antje Jansen. Die Grünen-Chefin Michelle Akyurt betrachtet die Zukunft des Flughafens ebenfalls mit größer Skepsis und bedauert, dass der Betrieb nicht bald eingestellt wird. Ihr sei „ein Ende mit Schrecken lieber als ein Schrecken ohne Ende gewesen.“ SDF

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