Die Linden sind nicht gerettet

Mitglieder des Aktionbündnisses „Lübecks Linden leben lassen“ hängten vor dem Rathaus Listen mit den gesammelten Unterschriften auf, die in der Sitzung übergeben werden sollten. Dazu kam es nicht. (Kröger)

Die Bürgerschaft lehnt die Rettungsversuche von GAL und Grünen ab.

Die Tage der Linden an der Untertrave scheinen gezählt zu sein. Bei einer chaotisch verlaufenen Abstimmung hat eine große Mehrheit der Bürgerschaft die Rettungsversuche von GAL und Grünen abgelehnt.

Nach den Plänen der Hansestadt werden die 48 Winterlinden im Herbst gefällt und durch 60 japanische Perlschnurbäumen ersetzt. Dies gehört zur umfangreichen Verschönerungskur für die Untertrave. Bis Herbst 2018 soll die Straße für 15,6 Millionen Euro zu einer schicken Flaniermeile werden, ähnlich der Obertrave. Gegen die Abholzung protestieren allerdings viele Menschen. Das Aktionsbündnis „Lübecks Linden leben lassen“ hat in wenigen Tagen fast 5000 Unterschriften gesammelt, um die Bäume zu erhalten. Der dicke Aktenordner mit den ausgefüllten Formularen sollte während der Bürgerschaftssitzung an die Politiker übergeben werden. Aber an jenem Abend klappte vieles nicht.

Im Stadtparlament verpassten GAL und Grüne ihren Einsatz. Als Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer die Rettungsanträge aufrief, meldete sich keiner zu Wort. So ging das Präsidium schnurstracks zur Abstimmung weiter. Proteste, Zwischenrufe und eine Unterbrechung für eine Beratung im Ältestenrat halfen nicht mehr. Ebenso kläglich scheiterte die Übergabe der Unterschriften. „Die Übergabe war mit der Stadtpräsidentin vereinbart“, echauffierte sich Alexandra Stauvermann. Im Foyer des Bürgerschaftssaals, wo Bürger eigentlich keinen Zutritt haben, kam es dann zu einem heftigen Wortwechsel mit Bausenator Franz-Peter Boden. Eine Baumschützerin klagte, „niemand hat die Bürger informiert, dass die Linden für die Umgestaltung der Untertrave gefällt werden.“ Boden widersprach heftig: „Das stimmt nicht! Wir reden seit 2003 darüber und es hat Informationsveranstaltungen und eine Bürgerbeteiligung gegeben. Man kann alles in den Protokollen nachlesen.“

Nach dem Beschluss der Bürgerschaft könnte nun nur ein Bürgerbegehren das Fällen der Linden an der Untertrave verhindern. Antje Jansen (GAL) gab sich schon nach der Abstimmung im Rathaus entschlossen: „Jetzt machen wir es erst recht. So wie das Thema hier behandelt worden ist “ Für ein Bürgerbegehren müssen 7500 Unterschriften von Lübeckern gesammelt werden, viel Zeit bleibt dafür nicht. Die Meinungserhebung ist für die Kommunalpolitiker nicht zwingend bindend. Sie könnte aber die Umgestaltung der Untertrave blockieren oder verzögern. Dann wären die Fördergelder von Bund und Land (zirka zehn Millionen Euro) verloren. SDF

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