Jazz-Feuerwerk an der Ostseeküste

60 Jahre und kein bisschen leise: Festivalorganisator Nils Landgren feierte seinen Geburtstag bei der Jazz Baltica nach, unter anderem auch bei seinem fulminanten Auftritt mit Mo ’ Blow, im Hintergrund Felix Falk. (Sabine Goris)

Die Jazz Baltica 2016 in Niendorf: Wetter durchwachsen, Musik exzellent, Stimmung euphorisch.

„Dieses Jahr haben wir alles erlebt: strahlende Sonne, kühles Nass von oben, Gewitter – aber durch die Musik haben alle ihre gute Laune behalten und mitgeholfen, das Festival erneut zu einem Highlight zu machen“, sagte der künstlerische Leiter Nils Landgren am Ende eines berauschenden Festivals. Einen maßgeblichen Anteil hatte indes Landgren selbst beigesteuert, denn der spritual leader war nicht nur allgegenwärtig. Er feierte auch seinen 60. Geburtstag in mitreißenden DanceFunk- Konzerten mit seiner Funk Unit und zum Festivalfinale mit Mo’Blow.

Begonnen hatte die 26. Ausgabe der JazzBaltica am Freitag mit dem schwungvollen Einzug der Copenhagen Brass Band vom Niendorfer Hafen in die große Halle der Evers- Werft. Der Auftakt zu vielen künstlerischen und emotionalen Höhepunkten. Schon der Opener, die Premiere der rein weiblich besetzten JazzBaltica All Star Bigband unter der Leitung von Ann-Sofi Söderquist wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. Überhaupt war das Publikum in diesem Jahr besonders aktiv und erjubelte sich in standing Ovations immer wieder Zugaben. Der israelische Pianist Omer Klein brachte es am Sonntag auf den Punkt: „Ihr seid die wichtigste Zutat!“, rief er der Menge zu. „Ihr und Euer Feedback seid der Grund, warum jedes Konzert zu einem einmaligen Erlebnis wird.“

Und gerade die Klavierhelden stellten sich als starker Programmschwerpunkt heraus. Neben dem Finnen Iiro Rantala (mit Reminiszenzen an Esbjörn Svensson), der deutschen Pianistin Anke Helfrich (mit Trompeter Tim Hagans), beeindruckten besonders die Legenden Wolfgang Dauner (mit Sohn Florian als Schlagzeuger) und Joachim Kühn mit seinem New Trio. Dessen fantastisches Konzert mit Bass-Entdeckung Chris Jennings und Schlagzeuger Eric Schäfer brachte die Halle unter anderem mit einer wunderbar groovenden Interpretation des Doors-Klassikers „The End“ zum Kochen.

Eine Reihe von Künstlern schufen zudem Brücken zu anderen Genres wie die deutsch-iranische Sängerin Cymin Samawatie und ihre Band Cyminology mit Perlen persischer Poesie, der Auftritt des kubanische Pianist Omar Sosa gemeinsam mit der NDR Bigband oder die norwegische Formation Jaga Jazzist, welche Samstagnacht mit einer spektakulären Sound- und Light-Show die Fusion von Jazz, Elektro und Techno definierte.

IB.SH Award

für Lisa-Rebecca Wulff Auch in diesem der wurde IB.SH JazzAward (ehemaliger JazzBaltica-Förderpreis) verliehen, der dieses Mal an die 25-jährige Hamburger Bassistin, Komponistin und Sängerin Lisa-Rebecca Wulff ging. Mit ihrem Mut zur Improvisation und Spontaneität verbinde die 25-Jährige mühelos Jazztradition und Moderne, erklärte Michael Adamska, Vorstand der Förderbank.

Die letztjährige Preisträgerin, die Baritonsaxofonistin Tini Thomsen, hingegen zeichnete heuer für das Familienkonzert am Sonntagvormittag verantwortlich. Ihre unkonventionelle Neuinterpretation des Prokofjew-Klassikers „Peter und der Wolf“ mit Sprecherin Hella von Sinnen, wusste zu begeisterten und machte deutlich, wie wichtig dieser Programmpunkt für die Förderung einer künftigen Jazz-Hörerschaft ist.

Mit 13000 Besuchern wurde 2016 wiederum ein neuer Festivalrekord eingefahren. Auch wenn einige Acts wegen des Starkregens von der Strandbühne „@the beach“ ins JazzCafé verlegt werden mussten, so lockten doch viele kostenfreie Konzerte, Open- Air am Hafen und im JazzCafé, wo am Samstag die Late Night-Session mit der Patrick Farrant Band stattfand.

Lounge-Atmosphäre im „BeiBoot“ am Hafen Diese Locations und das „BeiBoot“, eine engagierte Privatinitiative in einem kleinen Werftgebäude zwischen Evers-Werft und Hafenkante, boten den Hafengästen, Waterkantschlendrern und Tagestouristen ein attraktives Umsonst-und-Draußen-Programm. Die Macher des „BeiBoot“ sehen ihren Service als sinnvolle Ergänzung des Festivalprogramms. Die CaféBar-Atmosphäre lädt zum Verweilen ein, den teilweise von weither angereisten Campern wird hier das Frühstück serviert und lokal bekannte Musiker wie Funkhaus oder der JazzChor FunJazztic geben Kurzkonzerte. Eine Win-Win- Situation für das Festival und den Spielort Niendorf, die sich weiter auszuzahlen scheint. Joachym Ettel

Kommentar hinterlassen zu "Jazz-Feuerwerk an der Ostseeküste"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*