„Lübeck tut zu wenig für die Radwege“

Mehr Platz für Radfahrer an der Moltkestraße Ecke Hüxtertorallee: Ab Herbst bekommen sie eine bessere und sicherere Verkehrsführung. (Fotos: Sdf)

Der ADFC protestiert gegen die schleppende Verbesserung der Radwege in Lübeck.

Das dreieckige Warnschild steht schon seit langer Zeit am Anfang der Roeckstraße. So wie es scheint, wird es noch lange dort vor Radwegschäden warnen. Sehr zum Ärger von Rolf Hagen: „Die Stadt macht sich hier einen leichten Fuß. Statt die Radweg zu reparieren, stellt sie ein Warnschild auf. Wenn Radfahrer dann hier stürzen, ist sie fein raus“, klagt der Lübeck-Vorsitzende vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC).

Geschädigt sind die Radwege an der Roeckstraße allemal. Baumwurzeln haben den Asphalt angehoben und gerissen, an mehreren Stellen bildet der sehr schmale Streifen eine gefährliche Stufe zum Bürgersteig. Seit Jahren tüftelt die Bauverwaltung an schwierigen Sanierungsplänen, ohne Ergebnisse. Denn der Platz ist zu eng, um neue Radwege vorschriftsmäßig anzulegen. Außerdem würden die Baumaßnahmen die prächtigen Alleebäume arg beschädigen.

Deswegen präsentierte der Fahrradbeauftragte der Hansestadt, Nils Weiland, dem Bauausschuss jüngst ein neues Konzept: Probeweise sollte die Roeckstraße zur Tempo-30-Zone erklärt werden und Radfahrstreifen direkt auf der Fahrbahn erhalten. Den Vorschlag lehnten die Baupolitiker fast aller Fraktionen kategorisch ab. Sie sorgten sich um die Sicherheit der Kinder, die mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Ulrich Brock (CDU) kritisierte den Fahrradbeauftragten. „Sie bringen Kinder auf einer viel befahrenen Straße in Gefahr. Besser ist es, einen 500 Meter langen, schlechten Fahrradweg in Kauf zu nehmen.“ Für den ADFC ist es hingegen klar: „Radfahren auf der Straße ist nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv sicher. Denn ich werde von den Autofahrern gesehen und kann sie auch besser sehen“, betont Rolf Hagen. Kleinere Kinder bis elf Jahre dürfen sowieso auf dem Bürgersteig Rad fahren. Aus diesem Grund sei auch ein anderer Vorschlag der Bauverwaltung zu begrüßen: eine sogenannte kommunale Spur auf der Ratzeburger Allee zwischen Wasserkunst und Mühlentorplatz. „In Hamburg zum Beispiel werden zurzeit mehrere solcher überbreiten, kombinierten Spuren für Busse, Rettungsfahrzeuge und Radfahrer eingerichtet. Und die funktionieren gut.“ In Lübeck hingegen würden sich die Politiker sehr schwer tun, selbst eine zeitlich begrenzte Erprobung auf einer kurzen Strecke zu versuchen. Dass im Herbst die Kreuzung an der Hüxtertorallee Ecke Moltkestraße verbessert wird, ist sehr erfreulich, sagt der Vorsitzende des Fahrradclubs. Dort werden die Radspuren begradigt und vereinfacht, dafür müssen die Autofahrer aus der Moltkestraße auf eine der beiden Linksabbiegespuren verzichten. „Der Vorschlag ist vollkommen in Ordnung“, urteilt Hagen.

Alles zusammen betrachtet, tue die Hansestadt aber viel zu wenig, um das Fahrradfahren sicherer und besser zu machen. „Das, was gemacht wird, ist Kleckerkram. Damit wird man den aktuellen Zustand der Radwege in Lübeck nicht wesentlich verbessern. Nicht bei der jetzigen finanziellen Ausstattung.“ SDF

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