Mehr Schüler, mehr Abiturienten

Ein Gutachten über Lübecks Schulentwicklungsplan sorgt für Diskussionen. DieBürger werden dazu befragt.

Die zukünftige Schullandschaft in Lübeck werden die Bürger mitbestimmen können. Auf zwölf Stadtteilkonferenzen werden sie die Gelegenheit haben, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und somit den Schulentwicklungsplan der Hansestadt mitzugestalten. Dafür hat sich der Schul- und Sportausschuss fast einstimmig ausgesprochen. „Es ist ganz wichtig, die Fragen der Schulentwicklung in Lübeck in der Öffentlichkeit sehr breit zu diskutieren und eine sehr hohe Transparenz zu erreichen, auch wenn es dadurch länger dauert“, sagt der Fraktionsvorsitzende der SPD, Jan Lindenau. Anette Röttger (CDU) bekräftigt: „Es ist notwendig, dass die Hauptbeteiligten einbezogen werden, bevor es zu einer politischen Entscheidung kommt.“

Als Diskussionsgrundlage dient eine Studie der Bonner Beratungsfirma Bildung und Region (Biregio). Ihr 45 Seiten starkes Resümee sorgt schon jetzt für Aufregung. Gutachter Wolf Krämer-Mandeau sagt für Lübeck einen starken Anstieg der Schülerzahlen voraus: „Lübeck ist eine Boomtown und verzeichnet einen Zuzug von vielen jungen Menschen. In den nächsten zehn Jahren wird die Zahl der Grundschüler um zehn Prozent steigen.“ Er rät dazu, kleine Schulen zusammenzulegen und das pädagogische Angebot zu konzentrieren: „Der Dorfschulgedanke ist in einer Stadt wie Lübeck befremdlich“, urteilt Krämer-Mandeau. Der Leiter von Biregio stellt zudem eine „Vergymnasialisierung des Abendlands“ fest. Viele der jungen Eltern in Lübeck „haben ein starkes Vertrauen in die Gemeinschaftsschulen, sie wünschen sich aber Oberstufen“, erläutert der Leiter von Biregio weiter. Er empfiehlt, an weiteren Gemeinschaftsschulen Abiturklassen einzurichten, oder ein neues Gymnasium zu bauen.

Im Schulausschuss bleiben die Ausführungen und die spitze Rhetorik des Gutachters nicht unwidersprochen. Anette Röttger stößt sich an der von Krämer-Mandeau geforderten Stärkung von Abiturangeboten. „Wir haben sehr viele Bildungswege in dieser Stadt, und das sollte berücksichtigt werden. Es gibt Kinder, die lieber einen guten Realschulabschluss brauchen“, kritisierte die Bildungspolitikerin. Schulrat Helge Daugs warnt ebenso davor, Gemeinschaftsschulen ohne Sekundarstufe II als „Resteschule“ abzutun. „Wir haben in Lübeck drei sehr erfolgreiche Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe, die mehr Anmeldungen als Plätze haben.“ Der Vorschlag des Beraters, zwei Förderzentren (Berend-Schröder- und AstridLindgren-Schule) zusammenzuführen, ruft den Widerstand des anderen Schulrats, Gustaf Dreyer, hervor: „Diese Schulen sind die größten Förderzentren in Schleswig-Holstein, und es wäre falsch, sie zusammenzulegen. Wir würden ein Monster schaffen.“

Eine Idee des Gutachters findet jedoch Zustimmung: ein Oberstufenzentrum für mehrere Gemeinschaftsschulen ohne eigene Abiturklassen. In anderen Bundesländern existieren sie schon, in Schleswig-Holstein wäre es das erste. SDF

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