„Warum nicht Afrika?“

Vorbereitungen für das Abschiedsessen: Gemeinsam mit ihren Gastgebern bereitet Sigrid Rehn (hinten) das Essen für die Abschiedsfeier zu. „Ich habe mich gar nicht mehr weiß gefühlt.“ (HFR)

Sigrid Rehn hat für drei Monate in Gambia gelebt und als Krankenschwester gearbeitet.

Eigentlich könnte sie ihren Ruhestand genießen. Eigentlich. Stattdessen hat sich Sigrid Rehn im Dezember für drei Monate auf eine nicht einfache Reise begeben und im westafrikanischen Gambia in einer Krankenstation gearbeitet. Dabei hat sie sich verliebt, in die Menschen dort. So sehr, dass sie im August wieder für drei Monate nach Gambia fliegen wird.

„Ich habe mein Haus überschrieben, Eigentum kann ja auch belasten“, sagt sie schmunzelnd. „Und ich habe keine Enkel, leider“, ergänzt Sigrid Rehn noch. Was also anfangen? In der Zeitung las sie von „Granny Au Pair“ und hat sich dann mithilfe ihres Schwiegersohnes darüber im Internet informiert. „Erst wollte ich nach Asien, weil ich früher mal in Japan gelebt und gearbeitet habe. Da kann man sich besser anpassen“, erzählt die 73-Jährige weiter. Doch in Asien war nichts mehr frei. Und dann kam sie auf die Idee: „Warum nicht Afrika?“

Sie wollte aber nicht nur in eine Familie gehen, sondern gern etwas Soziales machen. Da bot sich die Krankenstation in Gunjur an. Gunjur liegt in Gambia in der Nähe der Atlantikküste. Dort wurde durch die Dresden-Banjul-Organisation die Kundembo Ambulanz aufgebaut, in der sie mit ihrer langjährigen Erfahrung als Krankenschwester helfen konnte.

Es sei das Beste gewesen, was sie machen konnte, erklärt Sigrid Rehn. „Die Menschen sind sehr freundlich und schön, hübsche Frauen“, schwärmt sie. Sie seien sehr interessiert und sprechen gut Englisch, die Verständigung klappt also bestens. „Ich gehörte zu einer Familie und war die Grandma. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit Kühlbox und Gaskocher, damit ich mir morgens meinen Tee kochen konnte. Und es gab eine europäische Toilette und eine Dusche“, zählt sie auf. Ansonsten waren die Verhältnisse allerdings sehr einfach, auch in der Krankenstation.

Dort konnte sie viel mit den einfachsten Mitteln erreichen. „Manchmal genügt es einfach die Menschen zu trösten und in den Arm zu nehmen.“ Durch die schlechte Ernährung entzünden sich Wunden sehr viel schneller. Wütend macht sie das Auftreten der Europäer. Sie fordert mehr Verständnis für fremde Kulturen. Es sei ein hartes Leben dort, „bei uns ist alles so perfekt.“

Und sie beklagt, dass unsere Überschüsse dorthin geschickt werden und gar nicht darauf geachtet wird, was wirklich benötigt wird. „Wir schicken unseren Mist dort hin wie überschüssige Medikamente und die sollen sich dann auch noch bedanken.“ Beispiel Pflaster: „Wegen der Hitze und des vorherrschendes Staubes können gar keine Pflaster verwendet werden“, erklärt Sigrid Rehn. „Wir haben für die Versorgung von Wunden lieber Mull genommen.“

Mit dem Klima ist sie gut zurechtgekommen, sagt sie. Gemüse hat sie so gegessen und auch das Wasser so getrunken, ohne gesundheitliche Probleme zu bekommen. Und mit Mücken hatte Sigrid Rehn auch keine Probleme. Das kann sich allerdings im August ändern, dann ist dort Regenzeit. Ihre Töchter hatten nicht erwartet, dass sich ihre Mutter so gut zurechtfindet. „Die älteste und die Jüngste haben gesagt: ,Mama, mach das.’ Die Mittlere war ein bisschen ängstlicher.“

Insgesamt hat sie sich sehr wohl gefühlt und ist dort von den Menschen sehr nett aufgenommen worden. So nett, dass sie sich schon gar nicht mehr als Weiße gefühlt habe, wie sie erklärt. Und jetzt freut sie sich auf die nächste Reise im August. HÖ

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Gambia ist eine islamische Republik in Westafrika, die vollständig vom Senegal umschlossen ist. Der Staat liegt am Ufer des Flusses Gambia und ist der kleinste Flächenstaat in Afrika, die Hauptstadt ist Banjul. Gambia hat tropisches Klima und ist seit 1965 unabhängig vom Vereinigten Königreich, Amtssprache ist Englisch. Seit dem 11. Dezember vergangenen Jahres ist Gambia eine islamische Republik.
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