Ifo-Institut bestätigt schleichenden Vermögensverlust für Sparer

Entgegen der Aussage der Europäischen Zentralbank sind die deutschen Sparer die Verlierer der EZB-Nullzinspolitik. Das jedenfalls gilt für alle Sicherheitsorientierten, die ihr Geld längerfristig anlegen wollen. Eine Auswertung von Zahlen der Deutschen Bundesbank durch das Münchner Ifo-Institut im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen bestätigt dieses Ergebnis.

Die Europäische Zentralbank wehrt sich seit längerem gegen den Vorwurf einer unfairen Behandlung der Sparer. Die Inflation sei bereits früher oft höher gewesen als der Sparbuchzins. Reale Verluste für Sparer seien also nichts Neues. „Für kurzfristig kündbare Anlagen wie das Sparbuch ist das richtig. Für sicherheitsorientierte Sparer gilt diese Aussage aber nicht“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Privaten Bausparkassen, Andreas J. Zehnder. „Sie – und dazu gehören vor allem Normal- und Geringverdiener – müssen sich heute real mit deutlich weniger Zinsen zufrieden geben als früher. Sie sind die Leidtragenden der Nullzinspolitik und erleben einen schleichenden Vermögensverlust.“ Ihre Bereitschaft, privat für das Alter vorzusorgen, werde untergraben und ihre bestehende Absicherung entwertet. Die Entgegnung der EZB spiegele somit nur die halbe Wahrheit wider.

Beispiel für den anderen Teil der Wahrheit: der Sparbrief mit vierjähriger Laufzeit brachte im Zeitraum 1970 bis 1979 eine reale Rendite von durchschnittlich 2,2 Prozent ein. Zwischen 1980 und 1989 stieg diese auf 3,8 Prozent. Noch in den 90er Jahren brachte der Sparbrief mit real 3,4 Prozent. Zwischen 2000 und 2010 betrug die Verzinsung immerhin noch 1,7 Prozent. Im Zeitraum 2010 bis 2015 sank die Rendite auf durchschnittlich nicht einmal 0,5 Prozent. Zehnder: „Ein Zinsunterschied von real zwei Prozentpunkten macht sich durch Zinseszinseffekte auf dem Konto deutlich bemerkbar. Bei einem Sparbetrag von 20000 Euro und einer Verzinsung von 0,5 Prozent im ersten Fall und von 2,5 Prozent im zweiten Fall beträgt der Vermögensunterschied nach zehn Jahren knapp 4.600 Euro.“ Auch mit Bundeswertpapieren ließ sich in den vergangenen Jahrzehnten eine positive reale Rendite erzielen, die im Durchschnitt immer über der Verzinsung von Sparbriefen lag. Höhere Renditen weisen heute z.B. noch Unternehmensanleihen aus – jedoch mit entsprechend höherem Risiko bis hin zum Totalverlust. „Sicherheitsorientierte Sparer lassen hiervon deshalb verständlicherweise die Finger“, so Zehnder. • be.p

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