Eskimo-Boot fährt wieder

Vertreter der Sugpiat-Alutiiq Eskimo haben das acht Meter lange Traditions-Boot nachgebaut. (Lübecker Museen)

Nachbau eines Lübecker Modells ist in Alaska auf dem Wasser.

Seit 113 Jahren besitzt die Lübecker Völkerkundesammlung ein Miniatur-Bootsmodell der Sugpiat-Alutiiq Eskimo von Kodiak-Island, Alaska (USA). Weltweit sind zehn dieser Modelle in Museen erhalten.

Kurz vor der Eröffnung ihrer jährlichen Ausstellung kann die Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck nun mit einer kleinen wissenschaftlichen Sensation aufwarten: Das Bootsmodell wurde von Vertretern der Sugpiat-Alutiiq in Originalgröße von gut acht Metern nachgebaut. Im Jahre 2009 kam der damalige Direktor des Alutiiq-Museums aus Kodiak, Dr. Sven Haakanson, nach Lübeck, um das Boot und seine Ausstattung genauer zu untersuchen. Das mit Häuten von Seelöwen bespannte Angyaq war ein großes, offenes Boot, das traditionell dazu diente, Gruppen bis zu 20 Personen zu transportieren.

Früher besaß jedes Dorf ein Angyag. Die traditionelle Bugform ermöglichte eine schnelle Fortbewegung und sparte Kraft. Um den Sugpiat-Eskimo die Möglichkeit zu nehmen, sich von der Insel zu entfernen, zerstörten Vertreter der russischen Kolonialmacht diese Boote im 18. Jahrhundert. Die Eskimo haben seitdem nach und nach das Wissen über den Bootstyp verloren. Deshalb sind die weltweit erhalten geblieben zehn Modelle von großer Bedeutung.

„In den Miniaturen wurde das Wissen bewahrt, wie die Boote zu bauen sind“, sagt der Ethnologe, der mittlerweile am Burke Museum of Natural History and Culture arbeitet und an der University of Washington, Seattle, lehrt. „Jetzt bringen wir das Wissen wieder zurück.“ Seit Sommer 2015 hat er mit Freiwilligen und Angehörigen seines Volkes Boot und Paddel detailgetreu und in Originalgröße nachgebaut. „Das ist nach beinahe 200 Jahren das erste Angyaak-Boot, das wieder zu Wasser gelassen wurde“, freut sich Haakanson. Er bezweckt nicht nur die Wiederherstellung einer verloren gegangenen Tradition, sondern blickt auch nach vorn: „Mit diesem bestens an unsere Umweltbedingungen angepassten Boot können wir auch im Nachölzeitaler in unserer angestammten Region weiterleben“.

„Das Beispiel zeigt sehr schön, dass Völkerkundesammlungen als Wissensspeicher für indigene Völker ebenso wie für die Wissenschaft an Bedeutung gewinnen“, sagt Frau Dr. Brigitte Templin, die Leiterin der Völkerkundesammlung. Die Lübecker Sammlung erhält durch ihre international bekannte hohe Qualität immer wieder Anfragen nach ihren Beständen aus der ganzen Welt.

Auch die nächste Ausstellung, die ab 5. Juni zu sehen sein wird, zeigt etwas Besonderes, das von der Forschung bisher weitgehend unbeachtet geblieben ist: die „Aklama“ genannten Geistwesen der Ewe und Dangme aus Ghana aus der Sammlung des Künstlers Professor Dr. Horst Antes.

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