Antworten auch auf unbequeme Fragen

Der Malenter Kursaal platzte aus allen Nähten: Das Interesse der Bürger an der Kandidatenriege mit Jörg Meyer, Tanja Rönck, Christian Witt und Hans-Werner Salomon (von links) war riesengroß. (Graap)

Weit über 200 Zuhörer wollten bei der ersten Vorstellungsrunde der Malenter Bürgermeisterkandidaten dabei sein.

Volles Haus ist noch untertrieben: Bei der ersten Vorstellungsrunde der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl platzte der Malenter Kursaal aus allen Nähten. Zur Wahl am 29. Mai stehen Jörg Meyer aus Eckernförde (55 Jahre, schon vom Elternhaus aus Sozialdemokrat, den Beruf — Finanzbeamter — und Hobby — Fußballtrainer — immer mal nach Malente führten) sowie die drei Malenter Lokalmatadore Tanja Rönck (46 Jahre, unabhängig, aber von Freien Wählern und Grünen unterstützt, hat acht Jahre in der freien Wirtschaft und 20 Jahre in der Kommunalverwaltung gearbeitet), Hans-Werner Salomon (60 Jahre, der CDU-Fraktionschef ist seit 44 Jahren Polizeibeamter, davon 30 Jahre in Führungsverantwortung) und Christian Witt (45 Jahre, Polizeibeamter und freier Kandidat, starker Antrieb seiner Bewerbung war der von ihm mit initiierte Bürgerentscheid gegen die Schulfusion).

Mit Samthandschuhen wurden die vier Bewerber weder vom Publikum angefasst noch von den Moderatoren Susanne Peyronnet (LN) und Bernd Schröder (OHA), die jedem Kandidaten zu Beginn eine „pisackende“

Frage stellten. Von Salomon wollten sie wissen, warum er sich kurz vor dem Ruhestand noch zur Wahl stellt. „60 ist heute kein Alter mehr, um nicht noch einmal etwas Neues anzufangen. Für das Amt spielt das Alter keine Rolle, ich fühle mich geistig fit und habe noch sehr viel Elan“, konterte der CDU-Bewerber. Witt, der bei der Polizeidirektion in Eutin vor allem mit dem Hundewesen zu tun hat, musste beantworten, was ihn denn für den Posten im Rathaus qualifiziere. „Bei meiner Arbeit geht es viel um Strukturen und Organisation, ich setze mich mit Erlassen und Vorschriften auseinander und kenne deshalb die Verwaltungstätigkeit. Insbesondere qualifizieren mich aber die Art, auf Bürger zuzugehen und einen Konsens unter verschiedenen Meinungen zu finden“, betonte Witt.

Jörg Meyer wurde gefragt, ob er sich tatsächlich nur in Malente bewerbe, weil seine Zeit in Eckernförde abgelaufen sei, da das Finanzamt dort geschlossen werde. „Wer meinen Lebenslauf kennt, weiß, dass ich versuche, ungefähr alle 15 Jahre mein Leben anders zu gestalten — so wie beim Wechsel von der Bundeswehr in die Finanzverwaltung“, so Meyer. Tanja Rönck wurde auf ihren „Karriereknick“ beim Amt Oldenburg-Land angesprochen, wo sie ihre Leitungsfunktion abgegeben hat. „Als leitende Verwaltungsbeamtin habe ich neue Steuerungsmechanismen umgesetzt. Nach der Kommunalwahl hat aber die Zusammenarbeit mit dem neuen Amtsvorsteher nicht mehr harmoniert. Bevor ich mich verbiegen lasse, habe ich die Leitungsfunktion abgegeben. Ich bin aber noch immer für wichtige Bereiche verantwortlich wie Wirtschaft, Tourismus und die Entwicklung des ländlichen Raumes“, unterstrich Rönck.

Großen Raum bei der Diskussion nahm der Fremdenverkehr ein, um den es in den vergangenen Jahren in der Kommunalpolitik häufig Streit gab. Hier zeigten sich die Kandidaten überraschend einig: Wichtig sei eine überregionale Vermarktung als Teil der Holsteinischen Schweiz, und zweitens eine Vermarktung nach innen einschließlich der Veranstaltungsorganisation. Die Meinungen, ob hierbei auch künftig mit der GLC Glücksburg Consulting AG zusammengearbeitet werden sollte, gingen etwas auseinander. Während Salomon betonte, dass der Vertrag bald auslaufe und die Gemeindevertretung dann nach einer Ausschreibung über das beste Angebot entscheide, tendierten die anderen Kandidaten zu Konzepten, in denen Malente die Vermarktung vor Ort wieder selbst übernimmt.

Wie ist der Leerstand in der Bahnhofstraße zu beseitigen? Christian Witt ist überzeugt, dass es gelingt, wenn man verstärkt das Gespräch vor allem mit Vermietern und Gewerbetreibenden sucht. „Meine erste Aufgabe wird es sein, mit einzelnen Betrieben zu sprechen sowie ein Vermietungskonzept zu erarbeiten und umzusetzen“, sagte Jörg Meyer. Auch Tanja Rönck ist fürs Gespräch mit Vermietern und Kaufleuten, um Hinderungsgründe zu erkunden und zu erfahren, was Malente für eine Belebung tun kann. „Aber wir müssen auch die Infrastruktur ändern und Malente eine Mitte geben, dann sind auch Investoren interessiert.“ Hans- Werner Salomon will kurzfristig ein Ladenflächenmanagement auf der Website der Gemeinde installieren und Vermietern die Unterstützung der Gemeinde beim Aufhübschen der Fassaden anbieten. „Darüber hinaus braucht die Bahnhofstraße dringend ein neues Konzept, vielleicht mit Verkehrsberuhigung und einer Einbahnstraßenregelung“, so Salomon. Man könne auch darüber nachdenken, die Bahnlinie Malente-Lütjenburg zu kaufen, um sie zur Ausweichfahrbahn auszubauen.

Den Bau eines neuen Schul- und Sportzentrums unterstützen Salomon und Meyer rückhaltlos, für Rönck und Witt wird die Frage nach Neubau oder Sanierung der Schule an den Auewiesen erst nach genauer Abwägung zu entscheiden sein. Alle vier betonen übrigens, dass zur Sportgemeinde Malente auch Motocross gehöre. Der Konflikt zwischen Anwohnern und Sportlern müsse im Dialog aufgelöst werden. »Zwei weitere Vorstellungstermine finden am Dienstag, 3. Mai, um 19 Uhr im Hotel „Neukirchener Hof“ in Neukirchen und am Donnerstag, 19. Mai, um 19 Uhr in der Alten Schule in Benz statt.

vg

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