Die besten Samuraischachspieler

Das Spiel ist der verrückteste Denksport der Welt: Im japanischen Shogi wechseln die Figuren ständig den Besitzer. Und der neunjährige Markus Müller aus Lübeck hat dieser Tage bewiesen, dass er trotzdem cool den Überblick behält: Der Schüler entschied die Jugendwertung für sich in einem eintägigen Samuraischach-Turnier, das zum ersten Mal in der Travemetropole veranstaltet wurde.

Titelanwärter aus fünf Städten traten im Katharineum an zu einem Wettbewerb, den die Japanerin Ritsuko Müller und ihr Ehemann Rolf organisiert hatten. Denn Shogi gehört im Reich des Tenno zur Hochkultur: Seit Jahrhunderten bezahlt der Staat die besten Brettstrategen, und Topstars werden von Tokio regelmäßig ins Ausland geschickt, um für die fernöstliche Nation zu werben. Ein eigener Kanal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens berichtet ausschließlich über Shogi, und sogar Mangazeichner beschäftigten sich in ihren poppigen Comics regelmäßig mit dem trickreichen Spiel.

Nun macht sich der junge Lübecker Markus Müller daran, in die Fußstapfen berühmter Meister zu treten. Obwohl schon das exotische Shogidesign eine echte Herausforderung ist: Gezockt wird mit fünfeckigen Plättchen, die japanisch beschriftet sind. Feindliche Einheiten lassen sich nur daran erkennen, dass die Kanji-Zeichen, mit denen die hellen flachen Chips markiert werden, bei der Konkurrenz optisch auf dem Kopf stehen. Außerdem dürfen Steine, die dem Gegner abgeknöpft werden, anschließend die eigene Front verstärken.

Für Markus Müller, den plietschen Filius des Organisators, war das trotzdem kein Problem: „Ich finde Shogi cool.“ Und beinahe hätte es im Katharineum sogar einen Lübecker Doppelerfolg gegeben: Shinnosuke Katsumura (26), der Musik studiert in der Hansestadt, lag nach fünf Wettkampfrunden gleichauf mit dem eigens von der Spree angereisten Daniel Többens, und bloß ein mickriger Extrapunkt in der Feinwertung gab den Ausschlag, dass am Ende der 47-jährige Berliner den heiß umkämpften Shogipokal mit nach Hause nehmen durfte.

Als Dritter überquerte Wolfgang Reher (58) aus Bad Segeberg die Ziellinie. Die Organisatoren Ritsuko und Rolf Müller denken schon über eine Anschlussaktion nach: einen Shogiworkshop im Sommer. René Gralla

So funktioniert das japanischen Strategiespiel
Mit 81 Positionen ist der Spielplan im japanischen Strategiespiel Shogi deutlich weitläufiger als im hierzulande üblichen 64-Felder-Schach. Außerdem verfügen beide Parteien am einheitlich kolorierten Brett über mehr Kampfeinheiten, die sich obendrein – abgesehen von König, Läufer und Turm — unterscheiden von dem, was der heimische Denksportfan kennt, und oft poetische Namen tragen, etwa Kinsho, übersetzt: „Goldener General“, oder Keima, das „Lorbeerpferd“, eine Art Springer. Wie im Standardschach muss auch in der japanischen Variante Shogi der gegnerische Monarch matt gesetzt werden, was im fernöstlichen Szenario aber eine besondere Herausforderung ist; denn Kämpfer der Konkurrenz, die ausgeschaltet worden sind, dürfen nun die eigenen Truppen verstärken. Kontakt zur neuen Shogi-Gruppe per E-Mail an McRolfMueller@web.de.

Gewann für Lübeck die Jugendwertung in Japans Samuraischach: Markus Müller (re.) neben dem Zweitplatzierten Shota Imai aus Hamburg (Mitte) und Turnierorganisator Rolf Müller (li.).

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