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Lübeck. Alle zwei Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Egal, ob Ein- oder Mehrfamilienhaus, Mieter oder Wohnungseigentümer — es kann jeden treffen. Schleswig-Holstein gehörte dabei 2015 zu den vier am häufigsten heimgesuchten Bundesländern. Vor allem die größeren Städte wie Kiel und Lübeck stehen im Fokus der Langfinger. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote im Norden sein Jahren chronisch schlecht und liegt unter neun Prozent.

Mehr als die Hälfte aller Einbrüche wird in der Zeit von 10 bis 18 Uhr verübt und dies vor allem in den Monaten Oktober bis März. In den meisten Fällen haben es die Täter auf schnelle Beute abgesehen. Neben Bargeld bevorzugen sie Schmuck und technische Geräte wie Mobiltelefone, Laptops und Tablet-PCs.

Die steigenden Einbruchszahlen sollten eigentlich die Sensibilität der Bürger für dieses Thema erhöhen. Doch das ist nicht immer so. „Viele sind immer noch zu sorglos“, sagt Michael Schulze. Der Inhaber der Glaserei Mews & Sohn in Lübeck führt seit einigen Monaten zwar mehr kostenlose Beratungen in Privathaushalten durch. „Doch daraus ergeben sich nicht automatisch mehr Aufträge für Nachrüstmaßnahmen oder Umarbeitungen“, so der Glasermeister. „Häufig wird unterschätzt, dass Sicherheit auch etwas kostet“.

Michael Schulze weiß, wovon er spricht. Sein Unternehmen steht auf der von der Polizei herausgegebenen Liste mit geprüften Sicherheitsfirmen in ganz Schleswig-Holstein: Dem „Errichternachweis für mechanische Sicherungseinrichtungen sowie Überfall- und Einbruchsmeldeanlagen“. Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen, die den Bürgern für ihr Zuhause ein konkretes Sicherheitskonzept vorschlagen und vor Ort beraten, gibt es seit Jahren nicht mehr im nördlichsten Bundesland.

Wer sein Haus oder seine Wohnung einbruchsicher machen will, sollte vor allem auf folgende Punkte achten:

Fenster: Alte Fenster mit nur einer Verriegelung hat ein Einbrecher in wenigen Sekunden aufgehebelt. Durch umlaufende Beschläge aus Stahl, abschließbare Griffe und Verbundsicherheitsglas (wie bei der Autofrontscheibe) wird das Einbruchsrisiko dagegen deutlich reduziert. Neuere Fenstermodelle verfügen über eine sogenannte Pilzkopfverriegelung. Denken Sie außerdem daran: Gekippte Fenster sind offene Fenster.

Haustür: Ist meist gut einsehbar und wird daher in der Regel von Einbrechern wegen zu großer Entdeckungsgefahr vermieden. Eine Mehrfachverriegelung lässt die meisten Diebe schnell aufgeben. Sinnvoll sind auch ein Zylinderbohrschutz, Türspaltsperren oder Querriegelschlösser.

Balkon-/Terrassentüren: Wie bei DIN-geprüften Fenstern sollten auch hier abschließbare Griffe vorhanden sein. Ein Zusatzschloss auf der gegenüber liegenden Seite ist sinnvoll. Dieselbe Funktion erfüllt auch ein Stangenschloss. Rollläden dagegen schützen kaum, denn in über 50 Prozent der Fälle wird tagsüber eingebrochen, wenn sie nicht heruntergelassen sind.

„Einstiegshilfen“ im Garten: Büsche oder Bäume vor dem Fenster sind ebenso wie im Garten stehende Sitzbänke, Leitern oder Mülltonnen willkommene Einstiegshilfen.

Kellertüren und -fenster: Weil es im Keller nicht so sehr auf Ästhetik ankommt, ist auch eine einfache Lösung mit Riegeln sehr effektiv. Kellerfenster sollten durch Vorhängeschlösser gesichert werden, dafür sind häufig schon entsprechende Öffnungen vorhanden.

Schlüsselverstecke: Auch Einbrecher kennen die Verstecke, daher niemals Schlüssel vor dem Haus- oder Wohnungseingang hinterlegen. Sie verlieren dadurch den Versicherungsschutz.

Dunkelheit in der Wohnung: Bitten Sie während längerer Abwesenheit Ihre Nachbarn, regelmäßig das Licht anzuschalten oder nutzen Sie Zeitschaltuhren. Es geht darum, einen bewohnten Eindruck zu erwecken.

Alarmanlagen: Je nach Wert des Eigentums können sie eine sinnvolle Ergänzung zu den zertifizierten mechanischen Sicherungen sein.

Für welche Maßnahmen Sie sich auch am Ende entscheiden: Michael Schulze rät dringend zum Einbau durch qualifiziertes Fachpersonal. „Nicht wenige sind glücklich mit ihren selbst angebrachten, abschließbaren Fenstergriffen aus dem Baumarkt, doch das alleine ist nichts weiter als eine bessere Kindersicherung“. afu

Info-Abend der Polizei
„Sicher Wohnen — Einbruchschutz“ lautet das Thema eines Infoabends, zu dem das 3. Polizeirevier Lübeck am Mittwoch, 9. März, um 19 Uhr in das Gemeinschaftshaus Karlshof, Hofweg 11a, einlädt. Neben vielen Tipps gibt es auch zahlreiche Praxisbeispiele. Anmeldung unter Telefon 0451 / 1316345.

Glasermeister Michael Schulze vor einem Fenster mit einbruchshemmendem Verbundsicherheitsglas.

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