„Fake Science“: Ringvorlesungen der Lübecker Hochschulen starten wieder

Wo liegen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fake?

Vor zwei Jahren fanden die ersten Ringvorlesungen der Lübecker Hochschulen zum Thema „Weltanschauung“ statt und waren ein großer Erfolg, wie St.-Petri-Pastor Dr. Bernd Schwarze berichtet. Er hatte gemeinsam mit Prof. Dr. Cornelius Brock die Projektleitung inne. Borck hatte nun die Idee, das wieder aufleben zu lassen und daraus eine Tradition zu machen. Gemeinsam haben die Projektleiter für dieses Jahr ein spektakuläres Vorlesungsprogramm ausgearbeitet, das am Montag, 15. April, in der Lübecker Hochschulkirche St. Petri startet.

Das Thema der Ringvorlesungen in diesem Jahr lautet „Fake Science“. Fake News sind in aller Munde. „Welchen Nachrichten kann man noch trauen?“, fragt Schwarze. Doch in der Wissenschaft gibt es so etwas nicht – oder doch? So die provokante These. An drei Montagabenden wird das Thema „Fake Science“ unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet. „Wo liegen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fake“, so Prof. Dr. Gabriele Gillesssen-Kaesbach, Präsidentin der Universität. „Das betrifft uns mehr und mehr“, erklärt auch Dr. Muriel Kim Helbig, Präsidentin der Technischen Hochschule. „Wir werden ständig nach unserer Meinung gefragt, aber unsere Meinung braucht Zeit“, ergänzt sie im Hinblick auf die Reflexion von Forschungsergebnissen.

Große Gefahrt der Beeinflussung

Uni-Student Olrik Dunker, Molecular Life Science, hat festgestellt, dass seine Generation ganz anders mit Medien umgeht. „Die Vernetzung birgt ein Riesenpotential, um Wissen zu ermitteln“, sagt er. „Aber dadurch steht auch eine große Gefahr der Beeinflussung dahinter.“ Höraktusik-Studentin Anna Klostermann sieht durch falsche Interpretation von News eine Gefahr, „weil dieser Fake ungewollt weitergegeben wird. Der Nutzen der Vernetzung und der Mediennutzung kann dadurch auch nach hinten losgehen.“

Studierende und Wissenschaftler machen mit

Der erste Abend befasst sich unter dem Motto „Ich sehe was, was du nicht siehst“ mit der Perzeption, also der Wahrnehmung. Der zweite Abend am 13. Mai steht unter dem Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ und betrifft die Produktion. Und der dritte Abend am 17. Juni befasst sich unter dem Motto „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ mit der Kommunikation. Beteiligt sind alle drei Hochschulen mit Beiträgen von Studierenden und Wissenschaftlern, die das Thema in verschiedenen Perspektiven betrachten. „Mit Überraschungen ist zu rechnen“, macht Schwarze neugierig. „Es gibt hunderte von Aspekten, wir beleuchten dabei zwölf“, erklärt Stefan Bartels-von Mensenkampff, Professor an der Technischen Hochschule. „Nicht alles sind böswillige Fakes, vieles wird auch unbewusst falsch wiedergegeben.“

Die Ringvorlesungen richten sich an Interessierte und Studierende gleichermaßen. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Im Anschluss an die Vorträge ist ein reger Austausch mit den Vortragenden geplant.

Foto: Die Ente als Forschungsobjekt: Zu den Ringvorlesungen der drei Lübecker Hochschulen laden TU-Professor Dr.-Ing. Stefan Bartels-von Mensenkampff, TU-Präsidentin Dr. Muriel Kim Helbig, Uni-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gillessen-Kaesbach, die Projektleiter Pastor Dr. Bernd Schwarze und Prof. Dr. Cornelius Borck (hinten v.l.) sowie die Studierenden Olrik Dunker und Anna Klostermann ein. Foto: A.Hötzsch

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