Bad Schwartau: Flüchtlinge protestieren gegen Unterbringung

Die Verwaltung soll die Unterkunftsbedingungen verbessern

Das Lübecker Flüchtlingsforum kritisiert „unhaltbare Zustände für Geflüchtete“ in den Wohncontainern an der Pohnsdorfer Straße – dort leben zurzeit 32 Menschen – und in der Unterkunft am Stockelsdorfer Weg – dort sind es 27. Insgesamt leben 275 Flüchtlinge in Bad Schwartau. Das Flüchtlingsforum fordert die Entwicklung eines tragfähigen und menschenwürdigen Konzepts zur Unterbringung von Geflüchteten. Bei einer Kundgebung, zu der das Lübecker Flüchtlingsforum aufgerufen hatte, kamen am Donnerstag etwa 40 Teilnehmer, die mit Fotos aus den Unterkünften und Plakaten auf ihre Situation aufmerksam machten.

„Wie kann es sein, dass die reiche Stadt Bad Schwartau jahrelang Menschen in abgelegenen Containern am Rande der Stadt ohne Infrastruktur oder in abbruchreifen Unterkünften unterbringt“, sagt Heike Behrens vom Lübecker Flüchtlingsforum. „Wie kann es die Stadt Bad Schwartau zulassen, dass sieben- bis neunköpfige Familien jahrelang in zwei Zimmern leben und dafür auch noch über 1300 Euro Miete zahlen müssen?

„Unhaltbare Zustände für Geflüchtete“

Auch die Cleverbrücker Pastorin Anne Rahe weiß von schwerkranken Menschen, die auf engstem Raum leben. Niemand findet zur Ruhe. Kinder haben bei solch beengten Wohnverhältnissen Probleme konzentriert für die Schule zu lernen.

Pastor Frank Karpa ist ebenso erschrocken über das, was er bei einem Besuch der Unterkünfte gesehen hat: „Dass Menschen über einen so langen Zeitraum unter solch katastrophalen Bedingungen leben müssen, hätte ich in Deutschland nicht für möglich gehalten. Die Unterkünfte sind allenfalls als Provisorium geeignet. Nun leben dort aber Menschen schon seit Jahren unter schlimmen hygienischen Bedingungen und in Räumen, die sich zum Teil nicht lüften lassen.“

Es gibt kaum Wohnraum für Flüchtlinge

Die Mitglieder des Sozialausschusses wissen um die Situation, weil sie sich selbst ein Bild von der Lage gemacht haben. Danach folgte „ein konstruktives Gespräch“ mit der Verwaltung, wie die Ausschussvorsitzende Heide Plücker bei der Sitzung am Donnerstag, an der auch zahlreiche Flüchtlinge verfolgten und von ihrer Situation berichteten. Auch die Verwaltung würde gern etwas verändern. „Aber wir finden keinen verfügbaren Wohnraum“, erklärte der zuständige Amtsleiter Timo Michaelsen. Er verwies darauf, dass sich die Stadt bei der Anmietung vom freiem Wohnraum an die vom Kreis vorgegebenen Mietobergrenzen halten müsse. Zudem habe die Politik, noch in einer anderen Besetzung, entschieden, dass die der Stadt geschenkten Container an der Pohnsdorfer Straße und nicht mehr an der Kaltenhöfer Straße stehen sollen.

Die Mängel sollen schnell behoben werden

Die Vertreter aller Parteien stimmten einem Antrag der Ausschussvorsitzenden Heide Plücker zu. Darin wird die Verwaltung beauftragt, die Koordination von Reparatur- und Pflegearbeiten in den beiden Unterkünften zu optimieren, um zeitnah Mängel zu beheben. Geplante bauliche Verbesserungen sollen unverzüglich erfolgen. Die Außenanlagen sollen sowohl am Stockelsdorfer Weg als auch an der Pohnsdorfer Straße für Kinder und Erwachsene freundlicher gestaltet werden sowie ein großer Riss im Gemeinschaftsraum der Unterkunft am Stockelsdorfer Weg repariert werden, sobald geklärt, ob die Stadt oder der Vermieter dafür zuständig ist. ES

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