Priwall-Bewohner kümmern sich selbst um Hochwasserschutz

Im Januar hatte es gleich zwei Hochwasser gegeben und so traf es sich gut, dass der Travemünder Ortsrat seine Februar-Sitzung auf dem Priwall abhalten wollte. Denn seit vielen Jahren läuft bei höheren Wasserständen direkt hinter der Landesgrenze die Mecklenburger Landstraße voll. Darüber wollte Eckhard Erdmann, Vorsitzender des „Vereins der Priwallbewohner“, auf der Sitzung mit Senator Ludger Hinsen (CDU) sprechen. Erdmann erinnerte an eine Begehung der Schwachstelle mit Hinsen und Vertretern des Ortsrates, die im Jahre 2018 stattgefunden habe. Und bereits im Jahre 2017 hätte er den Senator informiert, wer der Ansprechpartner in Mecklenburg-Vorpommern sei, erklärte Eckhard Erdmann. Nun zeigte er sich ein wenig enttäuscht, dass noch nichts passiert sei.

„Da werden wir wahrscheinlich auch unsere Landesregierung mit einschalten müssen“, antwortete  Senator Ludger Hinsen und untermauerte das am Beispiel der Gespräche über die Deponie Ihlenberg. „Es gibt ganz, ganz wenige Landesbehörden, die so dickfällig sind“, sagte Hinsen zum Thema Mecklenburg-Vorpommern.

Eckhard Erdmann widersprach: „Der zuständige Referatsleiter aus Schwerin bat eindringlich um Kontaktaufnahme der Hansestadt Lübeck“, erinnerte er. Außerdem könne man aufgrund des Beispiels Ihlenberg doch nicht generalisieren, dass es generell schwierig sei, mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern in Kontakt zu treten. „Das finde ich politisch sehr unklug diese Aussage von Ihnen“, sagte Erdmann.

„Da sind wir jetzt einfach unterschiedlicher Auffassung“, konterte Hinsen. Und im Übrigen sei Erdmann ja nicht daran gehindert, „ihren Kontakt nach Mecklenburg-Vorpommern wahrzunehmen, wenn Sie so einen guten haben.“ Eckhard Erdmann nahm den Senator jetzt beim Wort:  „Ich hatte ein Telefonat mit dem zuständigen Referatsleiter und nach fünf Minuten war geklärt, dass es eine Veranstaltung geben wird mit dem Vertreter des Landes Mecklenburg-Vorpommern“, berichtete er am Dienstag auf einer Sitzung des Priwallvereins. „Der wird sich die Situation an der Landesgrenze genau anschauen und uns dann mitteilen, was möglich ist und was nicht möglich ist.“ Der Termin soll am 23. Mai sein, Versammlungsort und Uhrzeit werden noch bekanntgegeben.

An der Hansestadt Lübeck sparte Erdmann nicht mit Kritik: Seit zwei Jahren würde der Verein schon mit der Verwaltung und dem Senator über das Thema Hochwasser sprechen. „Für mich stellt es sich so dar, dass der Hochwasserschutz von Seiten der Verwaltung keine hohe Priorität genießt“, sagte Erdmann. Sein Fazit: „Das Thema Hochwasser werden wir jetzt eigenständig weiterbearbeiten. Nach den Erfahrungen mit der Verwaltung denke ich,  haben wir mit der Verwaltung keinen verlässlichen Partner, der uns unterstützt in unserem Bestreben.“ HN

Foto: „Die Stadt hat es in anderthalb Jahren nicht geschafft, wir haben es vom Verein in fünf Minuten geschafft“: Eckhard Erdmann spricht jetzt selbst mit Mecklenburg-Vorpommern über den Hochwasserschutz für die Travemünder Halbinsel.  HN

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