Travemünde: Stadtschule platzt aus allen Nähten

Die Stadtschule braucht die Räume der Kurverwaltung, um weitere Klassenräume einzurichten. (Fotos: Hn)

Rektor Michael Cordes fordert mehr Räume – Kurbetrieb soll umziehen.

„Wir brauchen mehr Räume“, sagt Michael Cordes, Rektor der Stadtschule Travemünde. Als er die Travemünder Grundschule vor vier Jahren übernommen hat, gab es dort 160 Schüler. Heute sind es 201 Kinder. Und es werden immer mehr: Die ersten beiden Klassen seien jetzt schon mehr als ausgelastet, Klasse drei und vier würden entsprechend nachwachsen, berichtet Michael Cordes. Viel Luft nach oben ist da nicht mehr: „215 wäre die maximale Auslastung bei uns“, sagt der Schulleiter. Seit drei Jahren wächst die Schule. Cordes erzählt von einer Prognose aus dem letzten Jahr, die besagt, dass es in weiteren drei Jahren 315 Schüler sein werden. „Die Tendenz stimmt“, sagt er. Aktuell läuft bis Ende dieser Woche die Anmeldefrist für Erstklässler, und der Andrang sei sehr groß. Schon jetzt steht laut Cordes fest, dass Schüler abgewiesen werden müssen.

Die Auswirkungen des Travemünder Schüler-Booms sind bereits sichtbar: Weil für die rund 100 Kinder der offenen Ganztagsschule laut Cordes nur anderthalb Räume zur Verfügung stehen, werden für die Nachmittagsbetreuung die Flure mit genutzt. „Weil wir nicht genug Platz haben“, sagt Michael Cordes. „Es ist der großen Qualität unserer Betreuung zu verdanken, dass das keiner schlimm findet“, sagt er. Das läge aber an den guten Mitarbeitern und nicht daran, dass die Situation so toll sei.

Die Schule macht deshalb schon seit zwei Jahren einen Mehrbedarf an Räumen geltend. Im Auge hat man dabei die Büros der Kurverwaltung, die im Jahre 2010 Räume in dem historischen Schulgebäude bezogen hatte. Damals gab es Pläne, dass auch die Bibliothek, das Stadtteilbüro und der Ordnungsdienst mit einziehen, die Schule nur den hinteren Gebäudeteil nutzt. Doch dazu kam es nicht und mit steigenden Schülerzahlen rückte der Schulbetrieb dichter an die Büros der Kurverwaltung heran, was zu Nutzungskonflikten führt: Die Kurverwaltung hätte bei der Nutzung der Räumlichkeiten ja andere Bedürfnisse als die Schule, erklärt Rektor Cordes. „Das ist wirklich ganz schwer kompatibel“, sagt er. Kurverwaltung und Schule würden sich Mühe geben. „Aber das ist nicht konfliktfrei.“ Das bestätigt auch Kurdirektor Uwe Kirchhoff: „Wir haben ja viel mit Zahlen zu tun“, erläutert er. „Klar gibt es dann schon mal Emissionsprobleme mit dem Lärm.“

Für Irritationen bei Eltern und Lehrerschaft sorgte dann, als Innensenator Ludger Hinsen (CDU) kürzlich auf einer Stadtteilkonferenz in Travemünde erklärte, das neue Travemünder Stadtteilbüro werde in die Stadtschule einziehen. Zwar soll dafür nur zeitweise der Konferenzraum der Kurverwaltung genutzt werden, aber die Schule spekuliert ja nun schon länger auf diese Flächen, die für vier zusätzliche Klassenräume reichen sollen.

Inzwischen hat Michael Cordes mit dem Innensenator gesprochen, der die Sache aufklären konnte: „Er hat gesagt, dass nach neuen Räumlichkeiten für die Kurverwaltung gesucht wird. Und dass dann, wenn das gefunden ist, das Stadtteilbüro dort mitwandert“, berichtet der Schulleiter. Beim Thema Stadtteilbüro ginge es darum, jetzt eine möglichst kurzfristige Lösung zu finden. „Stadtteilbüro“ soll laut Cordes dann nur an zwei Nachmittagen die Woche stattfinden und zu Uhrzeiten, wo kein Schulbetrieb mehr sei.

Die Schule hofft nun, dass zügig eine Lösung gefunden wird und sie die Räumlichkeiten der Kurverwaltung nutzen kann. Kurdirektor Kirchhoff verweist auf das zentrale Gebäudemanagement der Stadt, das auch für Schule und Kurbetrieb den Raumbedarf regelt. „Unser Vermieter ist die Hansestadt Lübeck.“ Die Stadt werde sicherlich eine Lösung finden, ist er zuversichtlich. Und hofft dabei, dass diese Lösung dann auch nachhaltig ist: Kirchhoff selbst ist mit dem Kurbetrieb schon dreimal umgezogen. Einige seiner Kollegen schon fünf- bis sechsmal, erinnert er sich. HN

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