Wanderung durch die Menschheitsgeschichte

Der Waldhusener Forst hat neben ganz viel Natur auch Interessantes aus der Geschichte zu bieten. Wochenspiegel-Mitarbeiterin Anja Hötzsch war dort unterwegs. Ein Ausflugstipp.

Ein Spaziergang im Wald ist gerade zur warmen Jahreszeit gleichsam erfrischend wie erholsam. Ganz nebenbei lässt sich beim Wandeln auf dem archäologisch-naturkundlichen Pfad im Waldhusener Forst auch einiges zur Geschichte der Region lernen. Zum Waldhusener Forst gelangen die Wanderer am besten über den Waldhusener Weg am historischen Forsthaus vorbei, dann rechts abbiegen und der Straße folgen. Der zweite Parkplatz ist gleichzeitig der Startpunkt zur Wanderung. Auf einer Informationstafel ist der Verlauf des archäologisch-naturkundlichen Rundweges mit den einzelnen Stationen beschrieben. Auch eine kurze Info zu dem rund fünf Quadratkilometer großen Forst mit zahlreichen archäologischen, historischen und naturkundlichen Sehenswürdigkeiten ist hier aufgeführt.

Wer sich auf diesen gut fünf Kilometer langen Pfad einlässt, wandert durch rund 4000 Jahre Menschheitsgeschichte: Vom Großsteingrab aus der jüngeren Steinzeit rund 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung über Hügelgräber aus der Eisen- und der Bronzezeit sowie dem mittelalterlichen Burgwall bis in die jüngste Vergangenheit mit dem Pöppendorfer Lager, einem Durchgangslager für eine Million (geflüchtete) Menschen, das sich von 1945 bis 1951 in dem Wald befand, geht die Zeitreise.

Das Großsteingrab, eine so genannte Holsteiner Kammer, wurde 1844 freigelegt. Dabei wurden auch die Mauersteine entfernt, sodass nur die großen Felsbrocken übrig blieben. Das Grab war unter einem etwa vier Meter hohen Erdhügel mit einem Durchmesser von rund 16 Metern verborgen. Der Innenraum ist etwa vier Meter lang, 1,7 Meter breit und zirka 1,5 Meter hoch.

Im Wald befinden sich insgesamt 18 Grabhügel aus unterschiedlichen Epochen wie der frühen Eisenzeit und der frühen Bronzezeit. Während diese eher unauffällig erscheinen, macht der so genannte Pöppendorfer Ringwall deutlich mehr Eindruck. Direkt am Dorf gelegen erhebt sich dieser frühere Burgwall. Es ist die mächtigste erhaltene Wehranlage slawischer Stämme, die ab dem siebten Jahrhundert die Gegend bevölkerten.

Es handelt sich dabei um einen künstlichen mit Holzkonstruktionen befestigten Wall, der bis zu zwölf Meter hoch, 35 Meter breit und etwa 100 Meter im Durchmesser beträgt. Der Wall befindet sich in Privatbesitz, kann über eine Treppe erklommen werden. Direkt in der Nähe befand sich auch eine slawische Siedlung, wie Grabungen und Funde ergeben haben.

Als letzter Punkt der rund 90-minütigen Rundwanderung wird das Pöppendorfer Lager erreicht. Dort sind zurzeit nur Infotafeln zu finden. Es gibt jedoch das Projekt „Kulturhistorischer Erinnerungsort“, das unter anderem vom Gemeinnützigen Verein Kücknitz betrieben wird. Ziel ist es auf lange Sicht, dort wieder eine der damaligen Nissenhütten zu errichten. Immer wieder werden dazu auch Führungen angeboten.

Ganz nebenbei erlebt der Wanderer viel Natur. Da kann schon mal eine Ringelnatter schnell zur Seite huschen, die Vögel zwitschern in den Baumwipfeln und im Sonnenlicht tanzen verschiedene Schmetterlinge wie der Kohlweißling oder das Landkärtchen. Hier gibt es einen Flyer mit weiteren Infos zum archäologischen Pfad. Über das Projekt zum Pöppendorfer Lager erfährt man mehr www.poeppendorferlager.de. HÖ

 

Foto: Auf diesem Parkplatz im Waldhusener Forst startet der archäologisch-naturkundliche Rundwanderweg. Im Hintergrund ist die Infotafel zu sehen. © HÖ

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