Gefangen im Zug ohne Klimaanlage

Seit sieben Jahren fährt Michele Matera täglich von Reinfeld mit der Bahn nach Hamburg. Dabei hat er viel erlebt. Einen Vorfall jedoch, den der Reinfelder als „völlig überflüssige Körperverletzung“ bezeichnet, wird er so schnell nicht wieder vergessen. Er richtete eine Beschwerde an dem Bahnvorstand und machte Verbesserungsvorschläge. Zwei Monate sind seitdem vergangen. Eine Antwort hat er bis jetzt nicht bekommen.

In den sieben Jahren als treuer Bahnkunde hat der Reinfelder Koch gelernt, mit den Unzulänglichkeiten der Bahn zu leben. Verspätungen, Zugausfälle oder dass der Aufzug am Reinfelder Bahnhof ständig außer Betrieb ist, damit hat er sich schon längst arrangiert. Bei einem Vorfall jedoch platzte auch dem sonst so ruhigen Mann der Kragen. „Für mich war das Körperverletzung“, so Matera. Doch was war geschehen?

Keine Klimaanlage im Regionalexpress von Hamburg nach Lübeck

Es war am 30. Mai auf der Fahrt des Regionalexpresses von Hamburg nach Lübeck. Planmäßige Abfahrt war um 15.34 Uhr. Es war sehr heiß. Das Thermometer zeigte Außentemperaturen um 30 Grad an. Der Zug war so voll, dass bereits die erste Klasse für alle Fahrgäste geöffnet wurde. Zu allem Überfluss fiel auch noch die Klimaanlage aus. „Die sitzenden und stehenden Fahrgäste schwitzten sehr und ächzten unter der enormen Hitzebelastung, die im Waggon noch größer als draußen war. Mit improvisierten Hilfsmitteln versuchten alle, sich Luft zuzufächeln. Den Ersten wurde bereits schwindelig“, schildert Michele Matera das Geschehen.

Was von den Fahrgästen niemand ahnte: Die Klimaanlage war nur in dem einen Waggon ausgefallen, in dem sie der kaum zu ertragenden Hitze ausgeliefert waren. Alle anderen Waggons waren wohltemperiert.

Deutsche Bahn beantwortet Beschwerde nicht

„Ein Wort von einem Zugbegleiter hätte gereicht, den Menschen diese schweißtreibende Zugfahrt zu ersparen. Sie wären einen Waggon weiter gegangen und alles wäre gut gewesen“, ist Michele Matera überzeugt, der sogleich einen Brief an den Bahnvorstand verfasste. Darin schilderte er nicht nur die besagte Zugfahrt, sondern zeigte weitere Mängel auf und machte Vorschläge, wie die Bahn mit einfachen Mitteln die Kundenzufriedenheit schlagartig erhöhen könnte. Zwar bekam er automatisch eine Bearbeitungsnummer übermittelt, gemeldet hat sich bei ihm auch nach zwei Monaten niemand.

„Jetzt rechne ich auch gar nicht mehr damit“, verrät der treue Bahnfahrer. Auf Nachfrage des Reinfelder Wochenspiegels meldete sich Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis und teilte mit, dass die Anzahl von hitzebedingten Ausfällen von Klimaanlagen oder sonstiger Fahrzeugkomponenten derzeit zwar leicht erhöht sei, auffällige Häufungen oder größere Beeinträchtigungen der Fahrgäste seien bislang aber nicht festgestellt worden. Zum Brief von Michele Matera wollte er sich nicht äußern. Er sei noch nicht beantwortet worden. Erst wenn die Antwort an den Reinfelder abgeschickt worden sei, könne die Bahn dazu Stellung nehmen. pd

Foto: Michele Matera erlebte bei der Deutschen Bahn eine schweißtreibende Zugfahrt. PD

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