Mit Hitze gegen Holzschädlinge

Der 1636 erbauten Matthias-Claudius-Kirche in Reinfeld wird derzeit mächtig eingeheizt: Auf 70 Grad lässt der Reinfelder Restaurator Jürgen Rabeneck seit Montag das Thermometer im Dachstuhl der Kirche steigen, um damit Holzschädlingen ein Ende zu bereiten.

Wer einen Blick auf die Balken des Kirchendachbodens wirft, kann an manchen Stellen bereits deutliche Schäden ausmachen. An anderen Stellen aber muss er genauer hinsehen, um die Zeichen der Schädlinge erkennen zu können: Kleine kreisrunde Löcher mit einer Größe von fünf bis sechs Millimetern deuten auf den bunten Nagekäfer hin, der sich voll und ganz ausschließlich Eichenholz verschrieben hat, aus dem der Dachstuhl hauptsächlich gebaut ist. Die Bodendielen sind aus Kiefernholz gefertigt, an dem sich wiederum der Hausbock gütlich getan hat. Sein Werk ist an drei bis vier Millimeter großen ovalen Löchern zu erkennen. Kleine Häufchen auf dem Boden deuten auf einen weiteren Schädling hin – den gewöhnlichen Nagekäfer, der allgemein als Holzwurm bezeichnet wird.

Restauration von Antiquitäten und die Beseitigung von Holzschädlingen

„Der Name ist verbreitet, aber eigentlich falsch, denn einen Wurm als Holzschädling gibt es nicht“, sagt Jürgen Rabeneck (54), der sich mit seinem Unternehmen Trave-Antik in der Reinfelder Grootkoppel auf die Restauration von Antiquitäten und die Beseitigung von Holzschädlingen spezialisiert hat.

Dachstuhl der Matthias-Claudius-Kirche vor weiterem Schädlingsbefall schützen

Um den Dachstuhl der Matthias-Claudius-Kirche vor weiterem Befall bewahren zu können, hat er zusammen mit seinem Sohn Max den acht Meter hohen Dachboden bis in die kleinste Ecke mit fester Folie in mehrere Abschnitte unterteilt. Jeder Abschnitt hat ein Raumvolumen von rund 215 Kubikmetern. Nacheinander werden sie nun mit einer mobilen Heißluftanlage auf Temperatur gebracht.

Holzschädlinge mit Hitze abtöten

„Normalerweise hat Holz in seinem Kern eine Temperatur von 20 Grad. Um die Holzschädlinge abtöten zu können, brauchen wir aber 55 Grad. Das heißt: heizen“, verrät Jürgen Rabeneck, der in einem Raum seiner Werkstatt eine feste Heißluftanlage installiert hat, in der er von wertvollen Gemälden bis hin zu Antiquitäten bereits die unterschiedlichsten Gegenstände von den kleinen Nagern befreit hat.

Mobile Heißluftanlage gegen Holzwürmer

Holzschädlinge aber bevorzugen auch Holzbalken, wie sie in Häusern oder auch Kirchen verbaut sind. Um ihnen ebenfalls zu Leibe rücken zu können, hat der Fachmann zusammen mit drei Freunden eine mobile Heißluftanlage konstruiert und gebaut. Die 5,50 Meter lange, 2,50 Meter hohe und zwei Meter breite Anlage ist auf einem doppelachsigen Anhänger installiert. Über einem flexiblen Neoprenschlauch mit 63 Zentimeter Durchmesser bläst sie pro Stunde 24000 Kubikmeter heiße Luft in das Obergeschoss der Matthias-Claudius-Kirche.

Temperatur im Holzkern

Pro Abschnitt messen vier empfindliche Fühler die Temperatur im Holzkern. Eine Stunde bei konstanten 55 Grad sind erforderlich, um die Holzschädlinge zur Strecke bringen zu können. „Sicherheitshalber gehen wir noch ein bis zwei Grad drüber“, erzählt Max Rabeneck (23), der seinen Vater bei der schweißtreibenden Arbeit unterstützt. Was viele nicht wissen: 55 Grad im Holzkern sind nicht gleichbedeutend mit der Außentemperatur. Die nämlich steigt während der Heizphase auf rund 70 Grad. Max Rabeneck nimmt das gelassen: „Alles halb so wild. Das ist eine trockene Hitze. Die kann man ertragen. Sein Vater Jürgen setzt noch eins obendrauf: „Deshalb werden wir nie krank.“ pd

 

Foto: Jürgen Rabeneck begutachtet die Holzbalken. Im Hintergrund ist die Kirchenglocke zu sehen. © pd

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