Aquarelle von Emil Nolde

Bis zum 7. Oktober präsentiert das Museum Behnhaus/Drägerhaus in der Königstraße eine farbenprächtige Retrospektive des Künstlers Emil Nolde.

Werke von Emil Nolde (1867-1956) werden ohne Zweifel mit satten und leuchtenden Farben und kraftvollem Ausdruck in Verbindung gebracht. Doch der bedeutendste Aquarellist des 20. Jahrhunderts konnte auch die zarten Töne zu Papier bringen. Er malte weit mehr als die bekannten Aquarelle mit Landschaften, Wolkengebilden, Meereswogen und Blumenarrangements.

Nolde-Sonderausstellung im Museum Behnhaus/Drägerhaus

Das zeigt die neue große Sonderausstellung im Museum Behnhaus/Drägerhaus dieser Tage: Bis zum 7. Oktober können Ausstellungsbesucher den Künstler vom Beginn seiner frühen Schaffenszeit über die Entwicklung seiner Arbeiten bis hin zu den bekannten, meist virtuos und farbenprächtigen Aquarellen begleiten. Wenig gezeigte Werke und seine berühmten Arbeiten, Zeichnungen aus jungen Jahren und Noldes späte Meisterwerke sind zu sehen. Mit der Ausstellung in Lübeck endet die Präsentation „Nolde im Norden“, die anlässlich des 150. Geburtstags in acht Museen gezeigt wurde.

Emil Nolde – Farbenzauber

„Mit dem Titel ,Emil Nolde – Farbenzauber’ bringen wir auf den Punkt, was die Ausstellung ausmacht“, sagt Dr. Alexander Bastek, Leiter des Museums Behnhaus/Drägerhaus. Bei Noldes Aquarellen sei für den Betrachter oft nicht erkennbar, wie schwer das Leichte zu malen sei. „Wir haben in dieser Ausstellung einen weiten Bogen gespannt um zu zeigen, wie Nolde gelernt hat, zunächst akribisch zu zeichnen, bevor er zum großen Aquarellkünstler wurde.“

Frühe Zeichnungen von Emil Nolde

Frühe Zeichnungen sind zu sehen, die nur wenige mit ihm in Verbindung bringen würden. Nolde stammt aus einer Bauernfamilie in Norddeutschland und wurde als kreativer Maler nicht unterstützt. Mit neun Jahren verzierte er ein Stammbuchblatt, vervielfältigte es und verkaufte es für zwei Pfennig an Mitschüler. Seine künstlerischen Anfänge nahm er in Karlsruhe. Dort erarbeitete er sich „gutes Rüstzeug und lernte, akribisch zu zeichnen“, so Bastek. Die detaillierte Zeichnung eines Karlsruher Hausportals veranschaulicht dieses.

Zeichnung der Zugspitze vom Emil Nolde

Als Zeichenlehrer in St. Gallen malte er naturalistisch und entwickelte sich mehr und mehr zum freien Aquarellisten. Und er verdiente sich ein kleines Vermögen: Seine Zeichnung der Zugspitze ließ er als „Berg-Postkarte“ drucken und verdiente damit auf einen Schlag 25000 Franken. „Was nicht wenig war vor dem Ersten Weltkrieg“, bemerkt Bastek. Auch reiste Nolde viel und weit, besuchte 1914 die deutsche Kolonie in Neuguinea, fuhr mit der Transsibirischen Eisenbahn in den Fernen Osten. Daraus entstanden Skizzen, Aquarelle, Figurenstudien und eigenwillige Portraits Eingeborener. Noldes „Ungemalte Bilder“ sind entstanden, als er durch Verbot der NS-Reichskunstkammer – trotz seiner ideellen Nähe zum Nazi-Regime – nicht malen durfte und doch im Verborgenen malte. mpa

Literatur über Nolde

Zur Ausstellung wird ein farbenfrohes Begleitprogramm mit Literatur über Nolde bis hin zum Memori-Spiel für Kinder angeboten Der Katalog „Emil Nolde. Farbenzauber“ bildet alle Exponate ab und führt leicht in die Themenschwerpunkte der Präsentation ein. Weitere Informationen unter www.nolde-im-norden.de.

 

Foto oben: Nolde intensiver kennen lernen: Dr. Alexander Bastek vor einer Portraitreihe des Künstlers.

Foto unten: Kultursenatorin Kathrin Weiher nimmt das Begleitmaterial zur Ausstellung in Augenschein. © Mpa

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