Kampagne „#wirfuerbio“ gegen zu viel Plastik im Biomüll

Die Entsorgungsbetriebe Lübeck werden ihren Kompost nicht los. Der Grund: Zu viel Plastik im Biomüll. Zusammen mit anderen Abfallwirtschaftsbetrieben aus ganz Norddeutschland haben sie nun die Kampagne „#wirfuerbio“ gestartet.

Die Zahlen sind erschreckend: Auch 20 Jahre nach ihrer Einführung in Lübeck landen immer noch sogenannte Störstoffe wie Plastiktüten, Glas oder Zigaretten in über 50 Prozent aller Biotonnen. Um das zu ändern, haben erstmals Abfallwirtschaftsbetriebe aus ganz Norddeutschland gemeinsam die Informations- und Aufklärungskampagne „#wirfuerbio“ gestartet, um die Plastiktüte und auch die „kompostierbare Plastiktüte“ aus den Biotonnen zu verbannen. Schirmherr ist Schleswig-Holsteins Umweltminister Dr. Robert Habeck.

Gefährliche Substanzen landen auf dem Teller

50 000 Tonnen Bioabfall verarbeiten die Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) in ihrem Biomassewerk Raabrede, davon stammen 16 000 Tonnen aus Lübeck sowie 34 000 Tonnen „Fremdabfall“ zum Beispiel aus Kiel. „Daraus gewinnen wir jährlich 15 000 Tonnen Kompost, der kostenlos vor allem an die Landwirtschaft abgegeben wird“, erklärt Manfred Rehberg, Leiter der EBL-Sparte Stadtreinigung und damit auch für die Abfallwirtschaft in der Hansestadt zuständig. Das Problem dabei sind vor allem Plastiktüten und sogenannte „kompostierbare Plastiktüten“. „In Mikroplastik zerfallen können diese nicht mehr vom Rohkompost getrennt werden und landen so auf den Äckern, werden in Gewässer gespült und gelangen damit in unsere Nahrungskette“, erläutert EBL-Chef Dr. Jan-Dirk Verwey.

Mogelpackung: Kompostierbare Plastiktüten gehören nicht in den Biomüll

Nicht nur die herkömmliche Plastiktüte enthält Polyethylen, das aus Erdöl hergestellt wird. Auch „kompostierbare Müllbeutel“ sind nicht so unproblematisch, wie der Name vermuten lässt. Diese Bio-Beutel erfüllen die Euro-Norm, wenn sich nach zwölf Wochen 90 Prozent der Tüte in Teile zersetzt hat, die kleiner als 2 mm sind. Diese gelangen dann in den Kompost, denn die EBL-Anlage kann nur Teile bis zum einer Größe von 15 mm aussortieren. Das ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer: Die Mehrkosten für die Biomüllreinigung liegen bei 300 000 Euro im Jahr.

Biomüll in Zeitungspapier oder Papiertüte entsorgen

Aber nicht nur jeder einzelne Bürger ist gefragt, auch Handel und Politik müssen viel mehr tun. Das Groteske: Der Gesetzgeber toleriert Plastik im Kompost. Die aktuellen Grenzwerte orientieren sich an der technischen Machbarkeit und erlauben 250 Gramm Plastikmüll auf 50 kg Kompost. Dieser Plastikmüll wird noch einmal unterteilt in 50 Gramm Weich- und 200 Gramm Hartplastik. Wenn die Werte eingehalten werden, handelt es sich laut Gesetz um „guten Kompost“. Für die Hansestadt sehen die Werte etwas besser aus. „Wir sind bei einem Anteil von 0,16 Prozent. Trotzdem haben wir Diskussionen mit Landwirten“, berichtet Manfred Rehberg. Dabei sei sauberer Kompost möglich. Man müsse einfach den Biomüll ohne Tüte ausleeren, Zeitungspapier oder eine Papiertüte benutzen.

Geplante Mülltonnen-Kontrollen

Neben der Aktion sind künftig sogar Mülltonnen-Kontrollen geplant. „Wenn das alles nichts bringt, haben wir ein großes Problem“, weiß Manfred Rehberg. Denn dann könnte man sich die gesetzlich vorgeschriebene Mülltrennung eigentlich sparen: „Wenn die Landwirtschaft unseren Kompost nicht mehr haben will, gibt es keinen sinnvollen Entsorgungsweg mehr.“ Dann blieben nur noch das Verbrennen oder neue Deponien. afu

Was gehört in eine Biotonne?

Bananenschalen, Blätter und Laub, Blumen, Eierkartons, Eierschalen, Fleisch-/Fischabfälle, Haare, Hecken-/Rasenschnitt, Obst-/Gemüseabfälle, Papiertaschentücher, Pflanzenreste, Speisereste, Teebeutel und Kaffeesatz, Unkraut.

Foto: Die Entsorgungsbetriebe in Nordeutschland wollen mit der Kampagne „#wirfuerbio“ dafür sorgen, dass die Biotonnen künftig nicht mehr mit allerlei Müll verunreinigt werden. © afu

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