Stiefmütterlicher Umgang mit dem Ehrenfriedhof

Eigentlich soll der Ehrenfriedhof für die Toten der Cap-Arcona- und Thielbek-Katastrophe in Haffkrug eine Ruhestätte sein – Stille sucht man hier jedoch vergebens.

Das kleine Wäldchen, in dem die Gedenkstätte liegt, ist zwischen Straßen eingekeilt. „Besonders die Autobahn A1 sorgt für einen permanent hohen Lärmpegel über der Stätte“, ärgert sich Dorfvorsteher Helmuth Kurth über die zunehmende Würdelosigkeit dieses Ortes. Er ist auch Mitglied im „Arbeitskreis 27. Januar“, der sich jetzt mit Nachdruck für eine Aufwertung des Ehrenfriedhofes einsetzt.

Gedenkstunde auf dem Ehrenfriedhof in Haffkrug

Am Sonnabend hatte der Arbeitskreis anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zu einer Gedenkstunde auf den Ehrenfriedhof eingeladen. Und dort schilderte Kurth, dass es noch schlimmer kommen könne, „denn die Planungen für die Fehmarnbelt-Hinterlandanbindung sehen vor, dass die Bahntrasse für den Güterzugverkehr direkt an dem Gelände vorbeiführt. Das wird eine weitere enorme Lärmbelästigung für den Ehrenfriedhof bedeuten“, ist er sich sicher. Helmut Kurth und seine Mitstreiter bedauern besonders, dass die Gedenkstätte, die an eine der größten Schiffskatastrophen aller Zeiten mit über 7000 Toten erinnert, so wenig Beachtung beim Land als Träger sowie bei den Planern findet.

Opfer aus Kiel und Sierksdorf wurden nach Haffkrug umgebettet

„Hier ruhen immerhin über 1100 Tote aus 24 Nationen. In den 50er-Jahren wurden Hunderte Opfer aus Kiel und Sierksdorf nach Haffkrug umgebettet, da dieses Areal damals noch als repräsentative Gedenkstätte galt“, betont Kurth. Und Arbeitskreis-Kollege Lutz Tamchina weist auf die mangelnde Auffindbarkeit des Ehrenfriedhofs hin: „Der Ort liegt ziemlich versteckt, und es gibt nur zwei Hinweisschilder.“ Auch eine vernünftige Informationstafel mit Hintergründen zur Cap- Arcona-Tragödie fehle ebenso wie ein wettergeschützter Raum der Stille.

Lärmschutzproblematik am Ehrenfriedhof

In Briefen an Bahn und Landeswirtschaftministerium hat der „Arbeitskreis 27. Januar“ die Situation geschildert und um Stellungnahme gebeten. Die ersten Antworten seien ernüchternd ausgefallen. Helmut Kurth: „Die Bahn, meint, dass mit einem Wall die Lärmschutzproblematik behoben wäre. Und das Land sieht keine Möglichkeit, ein Hinweisschild an der Autobahn anzubringen – dort werde nur auf Tourismusziele aufmerksam gemacht.“ Kopfschütteln bei Lutz Tamchina: „Es ist doch keinem verantwortungsbewussten Bürger vermittelbar, dass Hinweisschilder für Vergnügungsparks ihre Berechtigung haben, während ein Hinweisschild für die Schiffskatastrophe, bei der Tausende KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter ums Leben kamen, nicht angemessen ist. Kriegsverbrechen können doch nicht dem Tourismus untergeordnet werden.“

„Arbeitskreis 27. Januar“ setzt sich weiterhin für Ehrenfriedhof ein

Inzwischen haben sich Kurth und Tamchina nochmals an den schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz gewandt mit der Bitte, Lösungen zu entwickeln, die nicht zu einer weiteren Erhöhung des ohnehin schon hohen Lärms am Ehrenfriedhof führen, sowie die Position der Behörde hinsichtlich der Beschilderung zu überdenken. „In einer Zeit, in der rechtsradikales Gedankengut weiter präsent ist, wollen wir nicht aufhören, zu mahnen. Deshalb werden wir alles tun, damit dies ein würdiger Platz des Gedenkens auch für die nächste Generation bleibt. Als kleine Gruppe stehen wir zwar ziemlich alleine da, wir werden uns aber auch um weitere Unterstützung durch andere Institutionen bemühen“, kündigt Helmut Kurth an. vg

 

Foto: Dieses Hinweisschild für den Ehrenfriedhof in Haffkrug hat schon bessere Zeiten gesehen. © Graap

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