Guiseppes Nachtschicht für die Berliner

In der mobilen Backstube bei Sky XXL in der Ziegelstraße wird vor Silvester durchgearbeitet.

Guiseppe Tartamella ist ein fleißiger Mann. Vor allem in der Nacht vor Silvester. Dann gibt es für den 59-jährigen und seine Frau Tanja Calimli (48) nur eines: Berliner, Berliner, und nochmal Berliner. Seit 17 Jahren stehen sie mit ihrer mobilen Backstube vor einem der Eingänge bei Sky XXL-Markt in der Ziegelstraße. 2,30 Meter breit und acht Meter lang ist der Wagen mit der Theke. Darin ist alles, was der Berliner-Bäcker braucht. Hier wird der Teig angesetzt, kann er ruhen, wird geformt und in Pflanzenöl ausgebacken.

Immer vor Silvester herrscht Hochbetrieb in dem Wägelchen. „Die Nacht wird durchgekeult“, sagt Tartamella und lacht. Rollläden runter und los geht die Nachtschicht. „Das geht seit Jahren so“, sagen die beiden, die so um die 1000 Berliner produzieren. „Mehr geht nicht“, sagt Tartamella, der auch von seinem Sohn Luciano Franz (26) nach Kräften unterstützt wird.

Tartamella hütet sein Geheimnis, mit welchem er die süße Speise herstellt. Nur so viel gibt der in Trapani auf Sizilien geborene Mann preis: „Es ist ein Hefeteig.“ Worin genau die Rezeptur, die nicht verraten wird, liegt, „ist ein Familiengeheimnis“, sagt Tartamella. Schon als Kind habe der Italiener einem Bekannten über die Schulter geschaut und „viel gelernt“. So lange er sich fit fühle, wolle er Berliner machen, sagt Tartamella. Und er kann sie immer noch genießen, „Favoriten sind sie alle.“ Bei ihm gibt es sie unter anderem mit Vanille, Himbeer, Eierlikör, Marzipan oder Schoko. „Mit Senf haben wir sie nicht“, sagt Tartamella lachend. Nur wenige Kunden würden solche Silvesterscherze bestellen. Aber das Angebot aus der kleinen Backstube reicht über Berliner hinaus: Muzen und Quarkbällchen stehen das ganze Jahr über im süßen Angebot.

Mit der Zeit kennt Guiseppe Tartamella viele Kunden. Und viele Kunden kennen ihn. Oft wird auch einmal ein kleiner Klönschnack eingelegt. Dann steigt der Sizilianer aus seinem Wagen heraus und lässt sich einen Kaffee schmecken. Allerdings muss das entspannende Ritual zu Silvester aufgeschoben werden. Heute heißt es noch einmal einen Schlag reinhauen, die Schotten dicht machen und durchkeulen. jac

 

Foto: Die Rezeptur ist sein Geheimnis: Vor Silvester ist Guiseppe Tartamella mit der Produktion der Berliner beschäftigt. © jac

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