Die „Essbare Stadt Lübeck“ grüßt Kiel

Umweltminister Dr. Robert Habeck hat Christa Fischer von der Lübecker Wildblumen- und Rohkost-Initiative und Heinz Egleder vom Hanse-Obst nach Kiel eingeladen.

Ein Besuch, bei dem der Minister mit bloßen Händen im Matsch grub. Gepflanzt wurden ein Holsteiner Cox und essbare Wildkräuter. Der triste Einheitsrasen vor dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung wurde belebt. Habeck versprach, dies sei nur der Auftakt für eine Neubelebung von Natur in der Stadt.

Lübeck ist bienenfreundlicher und umweltbewusster als Kiel

„Lübeck ist darin besser als Kiel“, sagte Birte Lindner, Kieler Projektleiterin des Obstwiesen-Netzwerkes in Schleswig-Holstein: Die Hansestadt ist bienenfreundlicher, klimafreundlicher und insgesamt umweltbewusster, hier gibt es dank Hanse-Obst inzwischen 25 Hektar Obstbiotope. Eine Bürger-Behörden-Initiative Essbare Stadt ist in der Landeshauptstadt ebenfalls noch unbekannt, und auch Lübecks Stadtgrün und Stadtwald haben dort Vorzeigecharakter. Die eigentlichen Klimabotschafter aus Lübeck waren bei dem Treffen Schüler der Gotthard-Kühl-Schule (GKS) mit ihrem Schulleiter Matthias Isecke-Vogelsang. Sie gehören zum schleswig-holsteinische Pilotprojekt Obstabenteuer, das vor fünf Jahren in Lübeck startete. Minister Habeck bat Streuobstwiesen-Pädagoge Ulrich Praedel, ihm das Hanse-Obst-Konzept vorzustellen. Praedel leitet derzeit ganzjährige Obstprojekte an mehreren Lübecker Schulen. Im Mittelpunkt stehen Naschgärten für Kinder mit Obst, Gemüse und Kräutern sowie Obstbaumpflanzungen in ganz Lübeck: 2016 und 2017 pflanzten Lübecker Kids unter Anleitung an 40 Standorten über 200 Hochstämme, allesamt alte Regionalsorten.

Delegation aus der Hansestadt pflanzte mit Minister Robert Habeck einen Baum

Der Minister zeigte sich beeindruckt. Damit sind Obstpädagogik und Essbare Stadt in der Landeshauptstadt angekommen. Für die GKS-Schüler und deren Begleiter nahm sich Minister Habeck eine ganze Stunde Zeit. Höhepunkt war die Pflanzung im regendurchweichten Boden: Der Minister griff erst zum Spaten, dann wühlte er mit bloßen Händen im Erdreich. Sichtlich vergnügt forderte er die Schulkinder auf, es ihm gleich zu machen. Chantal Schmidt und Vanessa Nekel aus der 6A sowie Rezan Ürek aus der 3B ließen sich das nicht zweimal sagen. Die zwei Dutzend Anwesenden staunten nicht schlecht. Die Hauptarbeit hatten zuvor schon Gärtnermeister Peter Bornholdt und sein Sohn Timm von der letzten Lübecker Baumschule geleistet: Sie lieferten den Baum, wie nahezu alle 1000 gepflanzten Hanse-Obst-Hochstämme, und begleiteten den Holsteiner Cox bis zu seinem endgültigen Standort in Kiel. Nach abschließendem Segensgebet für den Jungbaum durch Obstliebhaber Egleder lud Habeck die fröstelnden Pflanzer aus Lübeck noch in sein Ministerbüro. Die GKS-Schülerinnen Chantal und Vanessa schlugen ein Wettrennen mit dem Fahrstuhl vor – als klimaschützende und wärmende Maßnahme. Der Minister samt Tross waren nur Sekunden eher im 10. Stock, beim gemeinsamen Aufbruch, als der Minister zum nächsten Fernseh-Dreh eilte, waren die Schülerinnen sogar schneller. Für alle eine erlebnisreiche Stunde: Die Schulkinder saßen auf einem veritablen Ministersessel, und der Umweltminister sah echte Klimabotschafter aus der Hansestadt: Lübeck grüßt Kiel.

 

Foto: Noch sind die Hände sauber: Robert Habeck grub mit bloßen Händen im Matsch, um mit den Schülern einen Apfelbaum zu pflanzen. © Antje Hay

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