Kleine Austernfischer gerettet!

Vom Dach gefallene Küken sollen bald auf dem Priwall ausgewildert werden.

Auf drei, vielleicht vier Paare schätzt Matthias Braun vom Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer die Population der Austernfischer in Travemünde. Die etwa krähengroßen Tiere mit dem typisch orangeroten Schnabel sieht man gelegentlich auf dem Grünstrand nach Regenwürmern und am Brodtener Ufer nach Muscheln suchen. Nester werden in der Kaiserallee und bei der Handwerkskammer auf dem Priwall vermutet. Ganz sicher ist eines auf einem Flachdach in der Nordmeerstraße. Dort hat eine aufmerksame Anwohnerin jetzt zwei vom Dach gefallene Küken gerettet, bevor Katzen, Marder oder die nahe Straße dem kurzen Vogelleben ein Ende machen konnten.

Austernfischer in der Nordmeerstaße

Claudia Hagen beobachtet die Austernfischer in der Nordmeerstaße schon seit 2014. Letztes Jahr schlüpften zwei Küken, beide haben es nicht geschafft. In diesem Jahr waren es drei junge Austernfischer, die am 25. Mai geschlüpft sind. Fünf Tage später kam Claudia Hagen gerade aus der Tiefgarage, als sie einen jungen Austernfischer Richtung Straße laufen sah. Er war offensichtlich vom Dach gefallen. Sie konnte das Tier mit der Hand einfangen und übergab es an Matthias Braun, der den Austernfischer-Nachwuchs in den Niendorfer Vogelpark brachte. Dort gibt es bereits erwachsene Austernfischer, das Tier sollte nicht allein aufwachsen, weil es sonst eine Fehlprägung bekommen kann. „Dann balzt er dich an oder greift dich an, weil er in dir entweder einen Konkurrenten oder einen Partner sieht“, erklärt Matthias Braun.

Voliere im heimischen Garten

Zwei Wochen später hörte Claudia Hagen mitten in der Nacht das vertraute Rufen der Austernfischer. Mit der Taschenlampe entdeckte sie ein weiteres Küken. „Ich schätze mal, die sind hinter den Eltern hinterher, und dann pardauz, über die Kante“, sagt Matthias Braun. Nun holte er das erste Küken aus Niendorf zurück, ließ sich von Vogelpark-Chef Klaus Langfeld noch Tipps geben. Und baute aus einer Box für Hütehunde der Dummersdorfer Schafe und Teilen eines Kaninchengeheges eine Voliere im heimischen Garten. Dank Spezialfutter, getrockneten Mehlwürmern und frischen Regenwürmern aus dem Schrebergarten von Matthias Braun werden die Vögel rasch größer. „Das wird nicht mehr lange dauern mit dem Fliegen“, sagt Matthias Braun. Claudia Hagen hat „ihre“ Vögel „Anton“ und „Amadeus“ getauft.

Voliere auf den Priwall

Der dritte Jungvogel ist noch auf dem Dach und wird von seinen Eltern versorgt. „In zwei Wochen sind die bestimmt flügge“, meint Matthias Braun. Vorher sollen Anton und Amadeus noch mit ihrer Voliere auf den Priwall umziehen, um sich dort einzugewöhnen. Erst wenn sie sicher fliegen können, werden sie ausgewildert. „Wenn man sie so in der Wiese laufen lassen würde, dann würde der Fuchs sie holen“, fürchtet Braun. Vorher werden Anton und Amadeus noch beringt, so dass man vielleicht einmal erfahren wird, was aus den Austernfischern der Nordmeerstraße geworden ist. Das kann ein bisschen dauern. Im Schnitt werden die Tier in Freiheit 15 Jahre alt. HN

 

Foto: Bald geht es in die Freiheit: In einer selbst gebauten Voliere wachsen die beiden Travemünder Austernfischer auf.  © Hn

1 Kommentar zu "Kleine Austernfischer gerettet!"

  1. Ein super interessanter Beitrag. Hoffe den Tieren geht es gut.

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