Gutachter, Anwohner und Politik kämpfen weiter gegen das MAZ

Die Stadt mauert, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zeigt sich wenig informiert. Das MAZ Travemünde bleibt weiter in der Diskussion.

Wie der Wochenspiegel bereits mehrfach berichtet hatte, gibt es rund um die Genehmigung des Materialaufbereitungszentrums (MAZ) Travemünde einige Ungereimtheiten, die seitens der Behörden bisher nicht aufgeklärt wurden. So wurde eine Anfrage von Hans-Jürgen Schubert, Umweltexperte der GAL Fraktion und Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung, in der Ausschusssitzung am 20. Juni vertagt. Das brachte Oliver Prieur, Kücknitzer CDU-Mitglied, in Rage. „Das frustriert einfach so abgewürgt zu werden“, so Prieur. „Wir wollen ja eigentlich eine Überprüfung des Genehmigungsverfahrens erreichen.“

Bürgerschaftssitzung am Donnerstag, 29. Juni

In der Bürgerschaftssitzung am Donnerstag, 29. Juni, steht das Thema erneut auf der Tagesordnung. Zum einen fordern die Grünen einen Runden Tisch, zum anderen gibt es eine Anfrage von Carl Howe (GAL). Spätestens seit der Veröffentlichung des Gutachtens vom „Umweltnetzwerk Hamburg – Büro für Umweltfragen“ seien weitere Verzögerungen bei der Aufklärung der Vorgänge um Genehmigung und Betrieb der Bauschuttaufbereitung an der Travemünder Landstraße nicht mehr akzeptabel, heißt es in einer Pressemitteilung der GAL.

Genehmigung der Bauschuttaufbereitung an der Travemünder Landstraße

„Die Genehmigung für die Bauschuttanlage an der Travemünder Landstraße bis 2026 könnte sich in allen Einzelheiten als gigantische Fehlentscheidung erweisen“, erklärt Katja Mentz von der GAL. „Wir werden nach unseren Möglichkeiten zur Aufklärung beitragen und die Bürger in der Region Kücknitz-Pöppendorf-Ivendorf unterstützen.“

Lärmbelästigung und Staubentwicklung

Strittig sind unter anderem die Themen Lärmbelästigung und Staubentwicklung. Erlaubt sind an der Wohnbebauung ein Lärmwert von 57 dB(A). Laut Antragsgutachten wurden hingegen vom eignen Lärmgutachter der Firma Scheel Erdbau an der nächsten Wohnbebauung Travemünder Landstraße 274 als ankommenden Lärmwert gerundet 79,60 dB(A) ermittelt, in der Ivendorfer Landstraße 101 kommen gerundet 68,62 dB(A) an. „Die von mir im Gutachten genannten Lärmwerte sind Bestandteil der Antragsunterlagen der Firma Scheel“, macht Gutachter Klaus Koch (Umweltnetzwerk) deutlich. „Diese Unterlagen habe ich nach dem Umweltinformationszugangsgesetz (IZG S-H) angefordert, und vom LLUR persönlich erhalten.“

Wasser aus Tankwagen zur Staubminderung

Anwohner klagen überdies über eine erhöhte Staubentwicklung, die auch die GAL bei einer Begehung festgestellt hatte. „Es gibt laut Anfrage vom Umweltnetzwerk bei der Netz-AG Lübeck weder Wasserleitungen noch Brunnen auf dem MAZ-Gelände“, führt Koch aus. Die Genehmigungsauflagen fordern aber zum Betrieb eine Berieselung der Abfallhalden durch Kreiselberegnungsanlagen und eine Bedüsung an den Aufbereitungsanlagen. Laut Angaben des LLUR wird Wasser aus Tankwagen zur Staubminderung aufgebracht. Koch erklärt dazu: „Das Anlagengelände umfasst zirka 3,5 Hektar. Um eine Staubminderung von 30 bis 50 Prozent zu erreichen, sind über den Tagesbetrieb mit 16 Stunden fünf Tankwagenfahrten mit einer Wasserberegnung von drei Litern pro Quadratmeter erforderlich. Diese findet nicht statt. Somit sind auch diese Aussagen beider beteiligter Behörden als unzutreffend zu bewerten.“ HÖ

 

Foto: Auf dem Gelände des MAZ staubt es – auch durch kräftige Winde begünstigt – immer wieder ordentlich. Das soll eigentlich durch eine Wasserberieselung vermieden werden. © HÖ

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