Brandstiftung in der Kleinen Burgstraße?

Pfingsten wurde eines der ältesten Häuser Lübecks zerstört.

Der gesamte Dachstuhl liegt wie verkohlte Mikadostäbchen auf dem Boden. Die Spitze des Hausgiebels ist weggebrochen, verrußte Gemäuer krümmen sich bedrohlich zur Seite. Die Ruine des denkmalgeschützten Hauses in der Kleinen Burgstraße, Ecke Hinter der Burg, bietet einen trostlosen Anblick. In der Nacht zu Pfingsten brannte es dort plötzlich lichterloh. Die Polizei beziffert den Schaden auf 200000 Euro.

Gelagertes Baumaterial begünstigte Ausbreitung der Flammen

Seit 20 Jahren stand das ehemalige Hotel leer, seit zehn bemüht sich Eigentümer Detlef Zaube, das stark geschwächte Gebäude zu sanieren. „Ich weiß gar nicht, wie viel Zeit und Energie ich da rein gesteckt habe. Aber finanziell wird es ungefähr eine halbe Million gewesen sein.“ Gerade war das Holz angeliefert worden, um den Jahrhunderten alten Dachstuhl zu ertüchtigen. Das gelagerte Baumaterial begünstigte jedoch die Ausbreitung der Flammen.

Hinweise deuten auf Brandstiftung hin

War es Brandstiftung? Jörg Sellerbeck (CDU) hat im Kulturausschuss von Hinweisen berichtet. „Mir wurde gesagt, es gebe einen Zeugen, der jemanden wegrennen gesehen haben soll. Eine Tür des leer stehenden Hauses sei aufgebrochen worden, und das sei nicht die Feuerwehr gewesen.“ Sellerbeck, der als Mitglied der Bürgerinitiative rettet Lübeck (Birl) freundschaftlich den Hauseigentümer bei der Sanierung begleitet hat, findet den Brand unerklärlich. „Das Haus stand leer, es gab keinen Strom und kein Gas. Da war nichts, was von alleine brennen konnte.“ Die Polizei hat ihre Ermittlungen allerdings noch nicht abgeschlossen und äußert sich noch nicht zu der Brandursache.

Eines der ältesten Gebäude Lübecks

Fakt ist, dass das Haus aus dem Jahr 1291 weitgehend zerstört wurde. „Das ist definitiv ein herber Verlust“, bedauert die Leiterin der Abteilung Denkmalpflege der Hansestadt, Irmgard Hunecke. „Es ist eines der ältesten Gebäude der Stadt und steht in einer besonderen städtebaulichen Situation: Das Eckhaus und die weiteren Häuser in der Kleinen Burgstraße reihen sich unter einem einzigen, gemeinsamen Dachstuhl. Jetzt fehlt der wichtigste Teil dieses Dachstuhls.“ Die Denkmalpflegerin ist jedoch zuversichtlich, dass der Denkmalstatus trotz des schrecklichen Brandes erhalten werden könnte: „Sämtliche Umfassungsmauern und auch Teile des Giebels sind noch vorhanden.“ Hauseigentümer und Birl-Mitglied Zaube hofft auch, „im Absprache mit der Denkmalbehörde so viel wie möglich zu rekonstruieren. Aber im Augenblick weiß ich wirklich noch nicht, wie es weitergeht.“

Erhalt des Denkmalschutzes

Dass diese Bauwerkteile noch stehen, ist auch dem beherzten Einsatz von Jörg Sellerbeck zu verdanken. Noch in der Brandnacht habe er auf privatem Wege einen Mitarbeiter des Denkmalamts kontaktiert, berichtet er im Kulturausschuss. Der Denkmalschützer konnte so die Abbruchfirma davon abhalten, die statisch wackeligen Gemäuer endgültig abzutragen. SDF

 

Foto: Sieben Jahrhunderte Baugeschichte in Schutt und Asche: In der Nacht zu Pfingsten brannte das Haus in der Kleinen Burgstraße, Ecke Hinter der Burg, aus. © SDF

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