Genussradler wagt das Abenteuer

Andreas Lorenz aus Eutin plant 4000 Kilometer lange Fahrradtour durch Skandinavien.

Minimale Ausrüstung, maximale Motivation: Andreas Lorenz ist bereit für das größte Abenteuer seines Lebens. Mit nur 20 Kilo Gepäck geht der Eutiner Psychotherapeut am 1. Mai auf eine 4000 Kilometer lange Radtour durch Skandinavien. Und dass er sich seit vier Jahren rein pflanzlich ernährt, gibt dieser Herausforderung einen zusätzlichen Dreh.

„Ich bin schon immer gerne Fahrrad gefahren und träumte stets davon, einmal die Zeit für eine lange Fahrt zu finden“, erzählt Lorenz. Seit seiner Pensionierung im September hat er nun alle Zeit der Welt – und er will aller Welt beweisen, dass das Leben mit 66 Jahren tatsächlich erst anfängt, wie es Udo Jürgens einst besungen hat. „Es ist wirklich so, dass ich mich gesundheitlich deutlich besser fühle als vor 30 Jahren“, sagt der Ruheständler. Den Ausschlag dafür habe die Ernährungsumstellung gegeben. „In den vergangenen drei Jahrzehnten habe ich mich vegetarisch ernährt, dann vegan. Das ist für mich eine ethische Frage in Bezug auf die Tierhaltung – daran möchte ich nicht mehr beteiligt sein. Ich bin aber kein Dogmatiker und will niemanden missionieren. Entscheidend ist, das zu tun, was einem gut tut“, sagt Lorenz.

Der Lebensstil macht es dem Eutiner jedoch nicht einfacher, die große Reise zu planen. In den dünn besiedelten Gegenden Schwedens zum Beispiel wird er nicht an jeder Ecke einen Supermarkt mit vaganen Lebensmitteln finden. „Ich habe deshalb zwei Monate lang probiert, mich von Rohkost zu ernähren – und bin nicht vom Fleisch gefallen. Gemüse kann man überall kaufen, und frische grüne Wildkräuter vom Wegesrand haben viel Energie. Ich nehme eine Handpresse mit, mit deren Hilfe ich mir daraus Saft mache“, berichtet Lorenz. Obst und Körner sollen zusätzlich Kraft geben.

Überhaupt ist Andreas Lorenz bestens präpariert. Seit einem Jahr plant er die Tour detailliert. Wichtig ist das Smartphone, das ihm die ausgearbeitete Route anzeigt. 30 Kilometer am Tag hat er sich vorgenommen. „Ich habe 73 Streckenabschnitte festgelegt. Ich fahre über Kopenhagen, Stockholm und Oslo bis nach Bergen, dann quer durch Dänemark zurück nach Eutin. Und weil ich kein Radprofi bin und nicht verbissen, sondern mit Lebensfreude und Spaß an die Sache herangehen will, lasse ich mir für die Reise fünf Monate Zeit – ich bin Genussradler, kann mich auch mal nur so treiben lassen“, sagt Lorenz. Spätestens in Norwegen wird es ohnehin nicht mehr so zügig vorangehen, dann muss sich Andreas Lorenz mit seinem 18-gängigen KTM-Trekking-Rad die Berge hochschrauben – insgesamt sind 42000 Höhenmeter zu überwinden.

Das Handy ist aber auch für viele weitere Dinge nützlich. Er hält damit Kontakt zur Familie – Ehefrau Karen wird ihn auch mal vor Ort besuchen kommen –, er nutzt eine App zur Wildkräuter-Bestimmung und sucht sich über die Internetplattform www.warmshowers.org eine Übernachtungsmöglichkeit. „Ich werde zwar viel in Zelt und Schlafsack schlafen, aber für schlechtes Wetter braucht man auch Alternativen. Das Webportal ist von Radfahrern für Radfahrer und vermittelt kostenlose Schlafplätze. Und so ermöglicht mir die Reise auch einen internationalen Austausch, man kann ja nicht nur die Einsamkeit im hohen Norden genießen“, meint Lorenz.

Auch interessierte Leser können sich an die Fersen von Andreas Lorenz heften – zumindest virtuell: Auf einem Blog im Internet lässt der Abenteurer jedermann an seinen Erlebnisse teilhaben. Dort ist auch zu finden, wie er sich auf die Reise vorbereitet. „Mich haben Beiträge im Internet inspiriert, vielleicht möchte der eine oder andere sich auch bei mir etwas abkupfern“, schmunzelt Lorenz.

»Die ganzen Infos sind online unter www.veganbiketravel.com zu finden.

vg

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