Neue Krimikost fürs ZDF

Der Eutiner Drehbuchautor Jan von der Bank über Gewalt im TV und das Schreiben als Dienstleistung.

Eutin. Das A und O des Drehbuchschreibens? „Disziplin, Disziplin, Disziplin – denn der Zeitdruck ist enorm“, sagt Jan von der Bank. Der Eutiner Autor muss es wissen. Seit 1994 ist er in der Branche tätig, hat für verschiedene Serien in ARD und ZDF Skripte verfasst. Für die neue Staffel des Freitagskrimis „Der Alte“ hat von der Bank zwei Folgen beigesteuert: Am 10. März läuft „Stummer Zeuge“ im ZDF, am 7. April wird „Drei Jahre lebenslänglich“ ausgestrahlt.

Beide Geschichten haben einen besonderen Dreh: In „Stummer Zeuge“ wird ein Mann am Rande eines Waffenlobbytreffens niedergeschossen und fällt ins Koma. Im Zustand zwischen Leben und Tod kann er zur Klärung des Falls beitragen. Können die Ermittler seine Infos richtig deuten? „Die menschliche Tragödie und das mentale Puzzlespiel machen diesen Stoff so reizvoll“, sagt der Autor. Als „Feuerwehrmann“ ist Jan von der Bank beim zweiten Drehbuch eingesprungen. „Das war stressig, weil die Dreharbeiten bereits terminiert waren und es mit der ursprünglichen Autorin nicht mehr weiterging. So habe ich Figuren und Setting beibehalten, die Story aber weitgehend verworfen“, berichtet der 50-Jährige. In „Drei Jahre lebenslänglich“ erzählt er von etwas, was theoretisch nicht sein darf, aber in der Realität immer wieder vorkommt: ein Mord im Gefängnis. Als Bösewicht ist TV-Star Francis Fulton-Smith zu sehen.

Seine ersten Drehbücher hat Jan von der Bank für die Surfer-Serie „Gegen den Wind“ – die erfolgreichste Vorabendserie der ARD – geschrieben. Inzwischen gilt er als Krimispezialist, der unter anderem über 20 Folgen der ZDF-Serie „Küstenwache“ und einen Kieler „Tatort“ verfasst hat. Doch die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung verleidet ihm ein bisschen die Freude an der Krimikost, von der es im deutschen Fernsehen ohnehin fast zu viel gäbe. „Angesichts von echtem Hass und realer Gewalt auf der Straße mache ich mir schon Gedanken, warum man auch noch vor dem TV sitzen sollte, um sich von fiktiver Gewalt berieseln zu lassen.“ Deshalb sei er froh, fürs ZDF schreiben zu dürfen, wo man nicht mit in die Gewaltkerbe à la Til Schweiger haue. „In meinen Skripts gibt es keine Exzesse und so wenig Waffengewalt wie möglich. Man kann eine spannende Handlung auch ohne schiere Gewalt erzeugen“, betont der Autor. Er wolle Krimis für den Verstand, nicht für niedere Instinkte machen. Er kritisiert auch das immer brutaler werdende Krimigenre in der Literatur. „Der Blutdurst der Leser kennt fast keine Grenzen. Für manche hört der Spaß erst bei Gewalt gegen Tiere auf“, schüttelt von der Bank den Kopf.

Auch der Eutiner Autor ist auf dem Büchermarkt zu finden: mit seinen Kinderbüchern um den kleinen Klabautermann „Pikkofinte“ (siehe unten) und mit zwei maritimen Kriminalromanen. „Diese Bücher sind für mich so etwas wie eine Belohnung dafür, dass ich als Drehbuchautor fürs Fernsehen Massengeschmack-kompatible Sachen schreiben muss. In einen Roman kannst du eintauchen und von Anfang bis Ende deine eigene Geschichte zu Papier bringen. Da kann es auch grenzenlos opulent zugehen – man muss nicht auf die Produktionskosten achten“, erläutert von der Bank. Das sei beim Film ganz anders. „Wenn der erste Satz im Drehbuch lautet ,Rom brennt‘, dann lassen die Produzenten sofort die Finger davon“, zitiert von der Bank ein geflügeltes Wort der Branche.

Ein Drehbuch wachse von einer zwei- bis dreiseitigen Kurzgeschichte in alle Richtungen, bis am Ende die Dialoge dazukämen. „In jeder Phase wird das Drehbuch von Redakteuren gelesen, die immer wieder Einfluss nehmen. Drei bis vier Leute reden permanent mit. Als Drehbuchautor darf man nicht Künstler sein, sondern ist Dienstleister in Sachen Dramaturgie. Man ist auch auf ein bestimmtes Sendeformat von 45, 60 oder 90 Minuten festgelegt. Nur in der Ausführung überwiegt die Kreativität. Man muss verstehen, dass man nur Teil eines großen Arbeitsprozesses ist, den man verlässlich und ohne Lamentieren begleitet.“ Mit den Serien verdiene er seine Brötchen, vom Romaneschreiben könne man nicht leben.

Angst, dass ihm die Ideen ausgehen, hat Jan von der Bank nicht. „Davon habe ich reichlich, nur nicht die Zeit, alles zu verwirklichen“, meint der Autor, der schließlich auch für seine Frau und die drei Kinder da sein will. Einen Spleen gönnt sich der leidenschaftliche Segler – er war 2005 Weltmeister in der Einmannjolle Contender – aber doch: In der Garage baut er zurzeit an seinem eigenen Boot. Es wird 9,5 Meter lang und quasi als Bausatz geliefert. „Wenn man viel schreibt, ist das ziemlich virtuell. Aber etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, ist ein toller Ausgleich dazu.“ Und werkeln kann er ganz ohne Zeitdruck – das Segelboot ist fertig, wenn es fertig ist. vg

»Von der Banks Roman „Die Farbe der See“ ist gerade als Neuausgabe im KJM-Verlag erschienen.

 

 

> Eine ganze Produktwelt rund um den kleinen Klabautermann

Begeistert ist Jan von der Bank darüber, dass sich aus seinem ersten Kinderbuch „Die 7 magischen Klabauterknoten“ eine richtige Produktwelt entwickelt hat. Sie dreht sich rund um die Hauptfigur, den kleinen Klabautermann „Pikkofinte“, und seine Freunde, die die junge Illustratorin Lena Winkel mit viel Herzblut in Szene setzt. Nach dem zweiten Buch „Die magische Flaschenpost“ sind beide Werke zusätzlich als Hörbuch erschienen. Es gibt Quartettkarten, ein Malbuch sowie acht Mini-Büchlein nach Art der bekannten Pixi-Bücher. „Das dritte Klabauter-Buch ist für den Herbst avisiert“, berichtet von der Bank. Er ist dem KJM-Verlag dankbar, dass er diese liebevolle, warme Kinderbuchwelt mit so viel Elan Stück für Stück aufbaut. Ein besonderer Coup ist, dass die Artikel durch den Vertrieb über eine große Hamburger Drogeriemarktkette zusätzliche Aufmerksamkeit erfahren. Unter www.pikkofinte.de ist jetzt noch eine interaktive Homepage hinzugekommen. Last but not least entwickelt Jan von der Bank ein Theaterstück über „Pikkofinte“, für das es bereits Interessenten gibt. „Ich kann mir vorstellen, dass so ein Stück als Weihnachtsmärchen gerade an der Küste ein Renner wäre. Für diese maritime Pumuckl-Figur gibt es hier ein Publikum.“ vg

 

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