Overbeck-Gesellschaft zeigt Ausstellung Double Act

Die Installation von Sophie Schweighart reduziert den riesigen Raum der Petri-Kirche auf einen schmalen, beunruhigenden Warteraum.

„Double Act“ heißt sie Ausstellung mit Gemälden und einer Installation in der Overbeck-Gesellschaft und in St. Petri.

Ein Schlamassel ist das. Dicke Schiffe stranden wie nach einem Tsunami mitten auf Wiesen und Wäldern. Luftschiffe drohen im Zwielicht auf den Boden zu prallen. Mächtige Blitze peitschen durch die Nacht, während in finsteren Häusern flackernde Leuchten ausgehen. Mit schnellem Pinsel, grellen Lichtern und witzigen Details zaubert Sven Kroner beeindruckende, kinoreife Katastrophenbilder auf Nesseltuch. So überzeugend wirken sie, dass man sie glatt für fotorealistische Darstellungen wirklicher Ereignisse halten könnte.

Wenn der aus Bayern stammende, in Düsseldorf ausgebildete Maler nicht noch andere Gemälde in der Overbeck-Gesellschaft gehängt hätte. Und das sind Ansichten seines Ateliers. Da erkennt man nicht nur die kreative Unordnung aus unfertigen Gemälden und herumliegenden Farbflaschen und Pinseln, sondern auch die Schiff- und Hausmodelle, die dem Künstler als Vorlage dienen. Der Betrachter weiß also:

Gezeigt werden nur kleine Atelierräume und Modelle. Dennoch glaubt sein Auge, kolossale Landschaften und imposante Objekte vor sich zu haben. Ganz klein kann auch ganz schön groß erscheinen.

Oder auch umgekehrt. Das beweist Sophie Schweighart mit ihrer Installation in der Petri-Kirche. Ein Betrug ist das. Denn hinter der Tür öffnet sich nicht wie erwartet der imposante Raum des gotischen Gotteshauses. Die junge, aus München stammende Künstlerin zwingt den Besucher stattdessen in einen schmalen, kreisförmigen Gang. Durch Spione und Milchglasfenster wird er dort von irgendjemand beobachtet. Wie im Warteraum einer kafkaesken Arztpraxis, im Verhörraum einer verrückten Kontrollbehörde oder einem futuristischen Fegefeuer fühlt man sich. Drei Wochen lang wird die containergroße Sperrholz-Konstruktion die Kirche versperren.

So unterschiedlich ihre Methoden und Ansätze sind, Sven Kroner und Sophie Schweighart bilden zurecht einen „Double Act“, also ein Doppelspiel. So lautet der übergeordnete Titel beider Ausstellungen.

Die Schau von Sven Kroner „Walk like a Giant“ in der Overbeck-Gesellschaft ist bis zum 11. Dezember zu sehen, die Installation „Das helle Zimmer“ von Sophie Schweighart bleibt bis zum 16. November in der Petri-Kirche. SDF

Info unter http://www.overbeck-gesellschaft.de/

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